Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Berichte, Fotos und Infos von der SoFi 1999

Fotos und Berichte auf diesem Server:

o Ein Korona-Foto von Wolfgang R. Werda.

o Die SoFi bei Boulay (Webmaster and friends on tour):
Ausführlicher Reise- und Erlebnisbericht von Torsten Schäfer, AAG Mainz.


SoFi 1999 - Foto von Wolfgang R. Werda aus Bad Nauheim

Aufnahmedaten:
11.8.1999 um 12.30 MESZ in Dittferten/ Saarland
1 Sek. auf Fuji SHG 100 mit 1000 mm Maksutov Objektiv
Aufn. : Wolfgang R. Werda, Bad Nauheim

Foto von Wolfgang R. Werda

Bericht zur Beobachtung der Totalen Sonnenfinsternis 1999

von Torsten Schäfer, AAG Mainz; 12. August 1999

Der 11. August 1999 war der Tag, an dem ich meine zweite Totale Sonnenfinsternis erleben wollte. Zeit- oder Geldmangel hinderten mich bisher daran, seit 1991 auf der Baja California eine weitere Finsternis zu sehen. Peru, Indien, Venezuela - jedesmal konnte ich nicht hin. Jetzt sollte es soweit sein. Die „Finsternis vor der Haustür“ wollte ich auf keinen Fall verpassen. Entsprechend intensiv waren die Vorbereitungen und die Anstrengungen am Tag der Finsternis, wie sie im Folgenden wiedergegeben sind.

 

5:30
Der Wecker klingelt. Seit fünfzehn Jahren ist der 11. August 1999 im Kalender rot angestrichen - jetzt ist er da. Das Abenteuer beginnt. Mit meiner Freundin bin ich schon gestern abend von Mainz aus bei meiner Großmutter in Mußbach (bei Neustadt an der Weinstraße) eingetroffen, um auf alle Fälle in der Totalitätszone zu sein. Meine Eltern kamen nach Terminen noch in der Nacht nach, Burkhard Wiche hat sich für heute morgen angemeldet.

5:40
Noch ein wenig schlaftrunken suche ich im Internet die aktuellsten Wetterprognosen. Alle Wettermodelle, die noch bis gestern für den Korridor Saarbrücken-Karlsruhe die besten Chancen vorhergesagt hatten, taten dies nun nur noch eingeschränkt. Aber jetzt ist es ohnehin zu spät für eine Reise an den Atlantik. Die nächsten Aktualisierungen werden aber auch erst gegen acht Uhr angekündigt. Da wollen wir schon lange unterwegs sein.

6:30
Burkhard ist mittlerweile eingetroffen, wir beide haben als einzige der Gruppe schon eine Finsternis gesehen. Es wird gemütlich und ausgiebig gefrühstückt, und viele Brote für später geschmiert. In Neustadt sind etwa 60 Sekunden Totalität zu erwarten, aber wir wollen es weiter südlich versuchen.

7:30
Leicht hektisch werden sechs Personen und jede Menge optisches und mechanisches Gepäck (und zwei Handys) auf zwei Autos verteilt. Das größte Problem stellen dabei die Gartenstühle dar. Immerhin wollen nicht alle von uns die knapp drei Stunden im Stehen verbringen. Da mein Auto gestern auf dem Weg nach Neustadt hörbare Alterserscheinungen gezeigt hatte, muß Burkhards geborgter Wagen herhalten.

7:36
Es geht los: Hartmut, Ilo und Käthi Schäfer im einen, Kathrin Wilhelm, Burkhard Wiche und meine Wenigkeit im anderen Wagen. Über Neustadt ist es bedeckt, im Süden zeichnet sich zumindest eine dünnere Bewölkung ab. Erst fahren wir über die A65 dann die B9 bis zur elsässischen Grenze. Die Autobahn ist gut befahrbar, gut eine halbe Stunde später sind wir in Frankreich.

8:15
Wir halten bei Niederroedern, etwa 10 km hinter der Grenze. Im Radio wird bei Kandel ein Stau gemeldet. Glück gehabt. Neben der Straße sehen wir immer wieder ein paar Leute, die auf den Wiesen gezeltet haben. Es ist bedeckt. Im Nordwesten zeigt sich in einem großen Wolkenloch der blaue Himmel. Dahinter steht die angekündigte Schlechtwetterfront, die sich sichtbar nach Osten bewegt. In vier Stunden würde sie sicherlich über uns sein. Eine Nachfrage zum Wetter bei unseren AAG-Kollegen in Niederbronn endet auf der Mailbox. Unterwegs werden wir von einem Bekannten Burkhard's auf dem Handy angerufen: Bei Kaiserslautern sieht es im Moment zwar gut aus, aber bestimmt nicht mehr lange.

8:25
Es fällt die Entscheidung: Auf der Autobahn via Strassbourg gen Westen, so weit wie möglich unter den Wolken durch. Nächster Treffpunkt: Autobahnabfahrt Nr. 42 bei Sarreguemines.

10:15
Hier ist das Wetter auch nicht besser. Wenn die tiefen Regenwolken mal nicht über uns sind, zeigt sich durch die Stratocumulus-Schicht immer wieder mal die Sonne, aber nur für höchstens drei Minuten. Dann regnet es wieder. Beim P-Pause-Stop zeigt sich: So gut wie jeder ist heute ein Finsternis-Tourist, aber niemand hat aktuellere Wetter-Infos. Also weiter, bis kurz vor Metz. Auf dem Weg zum nächsten Etappenziel Boulay wird Burkhard vom SWR zwecks Interview-Termin heute abend in der Landesschau angerufen. Auf unsere Anfrage hin will man uns zurückrufen, sobald man neueste Informationen zum Wetter hat (so ein Handy hat auch was Gutes).

11:15
An der letzten Péage-Station müssen wir zwanzig Minuten warten. An dem nächsten Rastplatz wird (außerplanmäßig) getankt. Jeder Parkplatz ist besetzt. Mehrere Objektive werden auf die Regenwolken gerichtet, die Leute schauen durch die Finsternisbrillen die Regenwolken an. Ach ja, es ist ja wenige Minuten nach dem ersten Kontakt. Auf einmal, ein kleine Wolkenlücke. Und da ist sie: Chibil Kin - die angebissene Sonne, erinnere ich mich einmal mehr an die Finsternis in Mexiko. Ein erstauntes „Ah“" ist von überall zu hören. Viele stellen erstaunt fest, daß „die Finsternis-Brillen tatsächlich funktionieren“. Eltern und Großmutter sind schon jetzt tief beeindruckt, immerhin mußte ich sie bis gestern Mittag noch überreden, mitzukommen. Die Gendarmerie erlaubt uns noch ein letztes Telefonat mit Rainer Sauer (in Blieskastel an der Grenze sieht es auch nicht besser aus), dann geht es weiter nach Boulay. Unterwegs ruft uns der SWR an: In Saarbrücken bzw. auf den Spicherer Höhen sieht es derzeit noch am besten aus.

11:55
In einer Kurve, etwa 300 Meter nach der Autobahnabfahrt, stehen um einen LKW etwa zehn Autos mit deutschen, französischen und Schweizer Kennzeichen. Wir halten spontan. Die Sonne scheint durch ein größeres Wolkenloch. „Größer“ heißt hier länger als zwei Minuten. Der restliche Himmel ist mit tiefen Regenwolken, die aus dem Westen zu uns streben, verhangen. Wir steigen aus, packen die Stühle aus, und betrachten die schon zu gut 60% verfinsterte Sonne und den Bauer, der das angrenzende Feld in aller Seelenruhe mit seinem Traktor pflügt. Erste Fotos von der Partiellen Phase werden gemacht, und wir gesellen uns zu den anderen Grüppchen, in denen es nur um ein Thema geht: Sieht man von hier aus etwas, oder nicht? Der zweite Kontakt wird durch grobe Interpolation nach den Karten von Fred Espanak für kurz nach 12:29 MESZ bestimmt. In einer halben Stunde könnten wie bei freier Straße locker noch kurz vor Saarbrücken sein. Aber Irgendetwas hält uns hier: Zum einen der Stress, der sich nun deutlich in unserer Kondition bemerkbar macht, wie auch die Hoffnung, dass das Wolkenloch direkt über uns noch rechtzeitig in die richtige Richtung zieht (Spätestens hier steht für mich fest, dass ich das Teleskop umsonst mitgeschleppt habe).

12:11 - T minus 18 Minuten
Nach vielen Diskussionen und Abwägungen über die Entwicklung am stark wolkigen Himmel fassen wir als einzige am Platz den spontanen Entschluß: Ab ins Auto und nochmal ein paar Kilometer fahren. Boulay liegt grob in genau der Richtung, in der eine größere Lücke in der Stratocumulus-Schicht im Nordwesten die Sicht auf die verfinsterte Sonne freigeben dürfte.

12:12 - T minus 17 Minuten
In strahlendem Sonnenschein fahren wir los. Burkhard schaut auf die Straße, Kathrin und ich schauen zur Sonne, je nachdem wer gerade freie Sicht hat. Der Pulsschlag wird merklich schneller. Durch die dünne Wolkenschicht sieht man auch mit bloßem Auge gut die dünne Sichel.

12:19 - T minus 10 Minuten
Durch Helstroff und Macker sind wir (etwas zu schnell) hindurch, in Boulay geht es gleich am Ortseingang nach Osten rechts ab, auf eine kleine Anhöhe. Die Sonne steht genau am Rand des Wolkenlochs, und sollte nach unserer Abschätzung fuer die nächsten zehn Minuten, wenn auch durch ganz dünne Cirren, zu sehen sein. Schon bei den Ortsdurchfahrten haben uns Kinder mit Finsternisbrillen in der Hand zugejubelt, hier auf dem kleinen Hügel steht Auto an Auto an beiden Straßenrändern. An allen Feldwegen haben sich Leute versammelt, vereinzelt stehen kleinere Teleskope auf die Sonne gerichtet. Wir nehmen die nächstbesten Parkplätze und steigen aus.

12:21 - T minus 8 Minuten
Das Loch in der oberen Wolkenschicht ist noch da, aber die tiefen Regenwolken, die vor wenigen Minuten noch von uns weg zogen, schicken sich nun an, alle Hoffnungen zunichte zu machen. Die Sonne ist mittlerweile nur noch eine sehr schmale Sichel, „wie Venus ein paar Tage vor der unteren Konjunktion“ schießt es mit durch den Kopf. Dann stehen wir im Schatten. Etwa ein bis zwei Kilometer südlich, da wo wir eben noch entlanggefahren sind, scheint die Sonne. Nach Westen können wir von hier aus etwa 30 km weit sehen, aber dort liegt auch alles im Schatten.

12:22 - T minus 7 Minuten
In letzter Verzweiflung fahren wir noch einen Kilometer wieder zurück. Erst als wir angehalten haben und ohne irgendeinen Photoapparat oder andere optische Geräte ausgestiegen sind, merken wir, daß uns meine Eltern erst gar nicht gefolgt sind.

12:23 - T minus 6 Minuten
Zu Fuß laufen wir bei mittlerweile deutlich dunklerer und „kalt beleuchteter“ Umgebung wieder die Straße hinauf, um uns bei meinen Eltern am Auto zu treffen.

12:25 - T minus 4 Minuten
Es ist klar, wir werden nicht viel mitbekommen. Als wäre Murphy mehrfach wieder auferstanden, ziehen sich die Regenwolken von allen Seiten vor das Wolkenloch. Der Puls ist mittlerweile trotzdem bei 110. Ich merke nun auch, daß es kühl geworden ist, und ziehe mir noch schnell eine Jacke über's mexikanische Finsternis-T-Shirt. Eine Stoppuhr nehme ich noch mit, wenigstens die Dauer der Finsernis wollte ich messen, wenn schon keine Korona zu sehen sein wird ...

12:26 - T minus 3 Minuten
Am Straßenrand stehen, neben hundert vorwiegend einheimischen, sechs gespannte Personen und starren wie gebannt an die Stelle, wo die Sonnensichel zu sehen sein müsste, ja verdammt nochmal zum Vorschein kommen soll. Keine zweihundert Meter über uns sind dichte Regenwolken - war das eben ein Regentropfen auf meiner Stirn?

12:27 - T minus 2 Minuten
Keine Chance. Der Finsterniswind kommt auf, aber er bläst keine Wolken weg. Es ist mittlerweile so dunkel, wie zwei Stunden nach Sonnenuntergang. Kaum einer sagt etwas. Jeder ist befangen von der plötzlichen Veränderungen in der Natur. Daß es derart unheimlich schön wird, hat vorher keiner so recht glauben wollen.

12:28 - noch eine Minute
Ich werfe einen Blick nach links und rechts: Im Osten sieht man durch eine etwa 50 km entfernte Wolkenlücke schon die typische Finsternis-Dämmerung. Im Westen ist es deutlich dunkler. Eine riesige dunkle, blauschwarze Wand wird immer größer und breiter. Ich rufe noch „der Mondschatten kommt!“, und dann sehe ich, wie sich die Dunkelheit über mich hinwegschiebt. Der zweite Kontakt. Totalität. Eine Frage „Wo kommt der Schatten?“ höre ich nicht mehr.

12:29
Es ist stockdunkel, wie in einer sommerlichen Augustnacht - gerade noch hell genug, um die Funkwecker-Anzeige lesen zu können. Vor Aufregung vergesse ich, die Stoppuhr zu drücken. Mein Vater erinnert mich daran, aber ich starre nur auf die Wolken. Manche Leute fotografieren, die Pocketkameras blitzen, Schreie „pas des flashes!“ ertönen, ich höre die bewegt erstaunten Ausrufe meiner Mitgereisten, die zum ersten mal diese Dunkelheit erleben. Viele rufen auf französisch zu den Wolken etwas im Sinne von „Haut ab!“, aber sie hören nicht. Auf einmal ruft jemand, er würde etwas sehen. Tatsächlich: Da ist ein heller Punkt zwischen den Wolken auszumachen, die Venus! Aber je länger ich mir den Punkt ansehe und hoffe, diese Minilücke schiebt sich vor die Korona, sehe ich eine etwa eine Handbreit westlich davon in den dunkelgrauen Wolken einen ganz schwachen, kaum erkennbaren, runden, grauen Ring - die innerste Korona. Dann muß der Punkt Merkur sein!!! Also wenigstens etwas.

12:31
Aus dem Blickwinkel erkenne ich, daß es nun im Westen deutlich heller wird. Beim genauen Hinschauen sehe ich mit den mittlerweile dunkeladaptierten Augen, wie innerhalb weniger Sekunden die Landschaft vom Horizont her bis zu unserem Standort erhellt wird: Hügel für Hügel wird innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde wieder in ein Dämmerlicht gehüllt. Der Mondschatten ist klar begrenzt sichtbar, wie er mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit über die Landschaft rast.
... und dann ist es vorbei.
Über mir wird es hell, die Wolken sind wieder grau anstatt fast schwarz. Die Leute sehen sich - fast verstört - um. Es ist vorbei, unwiederuflich vorbei. Niemand mag so recht glauben, was er soeben erlebt hat. Ich schaue mich um, alle sind völlig durchnäßt. Erst jetzt merke ich, daß meine Kleider bis auf die Haut naß sind. Hat es etwa geregnet? Ich habe nichts gemerkt.

12:32
Die ersten Autos machen sich mit Fernlicht schon wieder auf den Weg. Die Leute laufen im Regen die Straße hinab, erleichtert und aufgewühlt ins Gespräch vertieft. Französische und elsässische Wortfetzen kann ich heraushören aber nicht verstehen, zu sehr bin ich mit mir selbst beschäftigt. Meine Mutter fragt mich, wann die nächste Finsternis ist, und will ganz bestimmt mit nach Madagaskar fahren - und dabei wollte sie vor 24 Stunden noch nicht mal mit hierher ins Elsaß kommen ...

12:55
So langsam haben wir uns wieder gefangen: Eine Mischung aus Faszination, Erhabenheit, Erleichterung und Respekt prägt die Mienen aller. Ein Gruppenfoto am Beobachtungsort wird von einem sehr pflichtbewußten Mitglied der motorisierten Gendarmerie energisch verhindert. Komischerweise wurden nur unsere beiden Autos am weiteren Parken auf einer öffentliche Landstraße gehindert, die einzigen beiden mit ausländischem Kennzeichen. Das störte uns zwar ein wenig, aber gleichzeitig war es uns sowas von egal. Wir hatten weiß Gott anderes im Sinn.

13:10
Am nächsten Ortseingang wird das Gruppenfoto nachgeholt. Eines ohne, eines mit Finsternis-Brillen im Regen. Gerade hatte ich das Stativ für den Selbstauslöser ausgepackt, als der Mann, der uns schon eben fotografieren wollte, spontan anhält und sein Versprechen einlöst. Andere Autos hupen im Vorbeifahren, Leute grüßen - irgendwie sind im Moment alle eine große Gemeinschaft.

13:15
Der Hunger macht sich zum ersten Mal, nach fünf Stunden, bemerkbar. Die belegten Brote werden aufgeteilt, danach wird als nächster Treffpunkt Mußbach ausgemacht. Meine Eltern fahren schon mal vor, sie haben noch Termine. Wir verstauen die Fotosachen und halten noch mehrmals an, um Leute zu befragen und die partielle Phase noch weiter zu sehen. Kurz vor der Autobahn, an unserem ersten längeren Halt, wurde auch keine Korona gesichtet. Der Bauer pflügt immer noch, und hat angeblich die ganze Zeit gepflügt: Als es dunkel wurde, hat er das Licht angemacht und mal kurz telefoniert. Dafür wurde er selbstverständlich abgelichtet. Auf der Weiterfahrt werden alle angerufen, von denen wir wissen, daß sie auch auf Kernschattenjagd waren, zu groß ist die Neugierde: Südlich von Saarbrücken war es genauso schlecht, wie auch in Niederbronn. Lediglich Bettina Mann in Ungarn hatte Glück. Soweit unser Informationstand auf dem Heimweg.

17:15
Wir sind tatsächlich noch angekommen. Vier Stunden für 180 km. Kurz hinter Saarbrücken ging nichts mehr, und auch die Idee, auf Bundesstraßen auszuweichen, hatten viele. Im Radio wurden Staus nur noch ab 11 km Länge gemeldet. Schließlich kamen wir mitten durch den Pfälzer Wald, auf Straßen kaum breiter als ein Auto, zum Ziel. Meine Eltern waren schon eine halbe Stunde vorher gen Mainz aufgebrochen und standen 5 km weiter nördlich im Stau. Burkhard muss auch nach Mainz und stürzt sich ebenfalls ins Getummel. Tausende versuchten, irgendwie nach Norden zu kommen, und wirklich jede Straße war zu. Für Kathrin und mich Grund genug, erst mal im Fernsehen die ersten Berichte zu sehen. Karlsruhe, Speyer und Landau hatten Glück. Wenn man bedenkt, dass wir 412 km gefahren sind, und schon „um die Ecke“ die Korona hätten sehen können ...

20:00
Der Versuch, auch nur ansatzweise in Richtung Norden zu gelangen, schlägt fehl. Obwohl Burkhard es noch rechtzeitig nach Mainz geschafft hatte, wie es später die Aufnahmen in der Landesschau bewiesen, konnten wir nicht damit rechnen, in den nächsten drei Stunden zu Hause zu sein. Also blieben wir noch eine Nacht länger in Mußbach, genug Zeit über das Erlebte nachzudenken.

 

Die Korona haben wir nicht gesehen. Die Tatsache, dass wir sie so leicht hätten sehen können, wenn wir nur in der Nähe geblieben wären, hat mich bis heute ein wenig enttäuscht.
Dafür habe ich auf Dinge geachtet, die mir bei meiner ersten (und bisher einzigen) Finsternis entgangen sind: Des Herannahen und Verschwinden des Mondschatten hatte ich so deutlich erst heute wahrgenommen. Auch Merkur habe ich noch nie so bewußt gesehen (in Mexiko habe ich in erster Linie fotografiert). Diese absolute Dunkelheit wegen der vielen Wolken hat wohl den tiefsten Eindruck hinterlassen.
Kurzum: Es war sehr stressig, aber das war es wert. Ich möchte den Tag nicht missen, auch wenn es nicht 100%ig geklappt hat und ich die lang ersehnte „Maximums-Korona“ nicht sehen konnte.
Ein Grund mehr, auf jeden Fall in zwei Jahren in Afrika wieder dabei zu sein ...