Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Kometenbeobachtungen

Kometen bieten für Amateurastronomen ein aufregendes Betätigungsfeld, in dem sie selbst in der heutigen Epoche immer größerer und ausgeklügelter Observatorien wichtige und von der Fachwelt anerkannte Beiträge liefern können.

So hat z.B. unser Sternfreund Friedrich Wilhelm Gerber während eines längeren Aufenthaltes in Südamerika dank hervorragender Beobachtungsbedingungen viele Kometen entdeckt, durch die Abgeschiedenheit des Ortes konnte er jedoch nur zweimal rechtzeitig ein Telegramm zur IAU senden, sodaß auch nur zwei nicht(kurz)periodische Kometen seinen Namen tragen:

    * Komet C1964 L1 Tomita-Gerber-Honda (alt: 1964c, 1964 VI) und
    * Komet C/1967 M1 Mitchell-Jones-Gerber(alt: 1967f, 1967 VII).

Neue Kometen werden auch heute noch oft von aufmerksamen Amateuren entdeckt. Sie ermöglichen den Profis dann gezielte Folgebeobachtungen mit aufwendigen (und teuren) Geräten, die nicht für regelmäßige Himmelsdurchmusterungen eingesetzt werden können.
Der Komet Tomita-Gerber-Honda wurde recht intensiv beobachtet und in der astronomischen Literatur finden sich mehrere Publikationen:
In Manfred Reichsteins Buch Kometen - Kosmische Vagabunden (Harri Deutsch Verlag 1985) sind Momentaufnahmen des Schweifs dargestellt. Die Knicke wurden auch bei anderen Kometen beobachtet und die Ursache wird von den Fachleuten lebhaft diskutiert: Der Sonnenwind weht nicht immer gleichmäßig. Seine Unruhe zeichnet sich auch in Gestalt unregelmäßiger Schweifstrukturen ab.

Unser nur leicht schematisiertes Beispiel (Bild unten) wurde nach Beobachtungen von McLure am Plasmaschweif des Kometen Tomita-Gerber-Honda 1964 VI in der Zeit vom 3. bis 6.7. entworfen.
Von links nach rechts: 1. Tag (3.7.1964); 2. Tag; 3. Tag; 4. Tag.

Als weiteres Beispiel von Spezialuntersuchungen sei F.D. Millers Beitrag in der amerikanischen Fachzeitschrift "Astronomical Journal" H2O+ in the tails of 13 comets (AJ 85 (1980) 468) genannt, in der auch der Komet Tomita-Gerber-Honda untersucht wurde.

In den 80iger Jahren beobachteten W. Landgraf und R. Riemann mit einem 20cm Schmidt-Cassegrain von Mainz aus die (kurz)periodischen Kometen 1P/1982 V1 Halley (alt: 1982i, 1986 III) und 108P/1985 V1 Ciffreo (alt: 1985p, 1985 XVI). Nähere Angaben finden sich in den International Astronomical Union Circulars IAUC 4115, 4125 bzw. 4136, 4158.
Beide blieben im Beruf der Astronomie treu: während W. Landgraf die Bahnen von Asteroiden studierte (siehe oben "Mainzer Kleinplaneten"), befasste sich R. Riemann mit der Untersuchung interstellaren Staubes mit den Raumsonden ULYSSES und Galileo.

Plasmaschweif des Kometen Tomita-Gerber-Honda 1964 VI