Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Mainz aus dem All

Der Meteorit "Mainz / Mayence"

Auf dem 13. Rhein-Main-Astrotreff in Geisenheim wurde der (nicht aus Mainz stammende) Bernd Pfeiffer auf den Meteoriten "Mainz" aufmerksam gemacht (Kann ein Leser nähere Angaben machen?). Das Naturhistorische Museum Mainz soll eine Probe besitzen, während sich der größte Teil in Kalkutta befinden soll (Auch hierzu wären Informationen aus der Leserschaft erwünscht!).

Erste Hinweise lassen sich in der Meteoritensammlung des MPI für Chemie finden. Dort werden 4,2 g des Steinmeteoriten "Mainz" aufbewahrt. Er gehört zu den Chondriten, und zwar zur Klasse L6

Unser Mitglied Th. Presper erinnerte sich:

Der Fundort des Mainzer Meteoriten war in der Nähe des Gautores gewesen, soweit ich weiß jenseits der damaligen Festungsgräben auf einem Acker und wurde beim Umpflügen gefunden.
Die Hauptmasse des Mainzer Meteoriten befindet sich in Kalkutta!!! Die genaue Geschichte weiß ich ad hoc nicht mehr - ich glaube es war so, dass der Finder des Meteoriten diesen verkauft hatte und der Käufer in britische Dienste ging. In diesem Zusammenhang ist er nach Kalkutta gekommen und das dortige (Naturkunde?)Museum bewahrt den größten Teil der Masse auf. Ein kleines Stück von ca. 30 Gramm ist übrigens im Naturhistorischen Museum Mainz. Es handelt sich um einen L5- oder L6-Chondrit, ziemlich verwittert und unschön. Der wissenschaftliche Wert liegt im hohen Bestrahlungsalter des Meteoriten.

Unser Sternfreund Th. Loeken sandte die folgenden Details:

Eintrag in A.L. Graham, A.W.R. Bevan, R. Hutchison; Catalogue of Meteorites, 4th Edition, 1985, British Museum (Natural History):
Mainz    50°N, 8°16' E.    Rheinland-Pfalz, Germany
Found 1850, or 1852
Synonym: Mayence
Stone. Olivine-hypersthene chondrite (L6), veined.
A stone of about 1.5 kg was ploughed up. Description, with an analysis:
F. Seelheim, Jahrb. Ver. Naturk. Nassau, 1857, p.405. Mineralogy, 20.8 % total iron, olivine Fa24,
H. Palme et al. Meteoritics, 1983, 18, p.abs.
201 g Calcutta, Mus. Geol. Surv. India; 119g Vienna, Naturhist. Mus.; 114g New York, Amer. Mus. Nat. Hist.; 55g Tübingen, Univ.; 41g Chicago, Field Mus. Nat. Hist.; Specimens (London) 18g, 14.5g, 1g

Als Kuriosität sei angemerkt: Dr. Bernd Pfeiffer fand unlängst die zweite Auflage des Katalogs in der Präsenzbibliothek des CERN in Genf. Noch 1953 wird darin als Fundort angegeben:
Mainz, Hesse, Germany.

Thomas Loeken bzw. Prof. Palme sandten Photokopien der im "Catalogue of Meteorites" angeführten Artikel:

Link zum Artikel von F. Seelheim, "Untersuchung eines bei Mainz gefundenen Meteorsteins", Heft 12 der "Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogtum Nassau" (1857) 405

Link zum Artikel von H. Palme et al., Meteoritics 18 (1983) 370

Silke Merchel vom MPI sandte folgende aktuelle Aufstellung der Aufbewahrungsorte des Meteoriten (seltsamerweise fehlt das Naturhistorische Museum Mainz):
"MetBase Version 4.0 for Windows (1999) Meteorite Data Retrieval Software ©Jörn Koblitz"
MasseAufbewahrungsort
202 g Calcutta, Mus. Geol. Surv. India
114 g New York, Amer. Mus. Nat. Hist.
79.5 g Strasbourg, Min. Mus.
63 g Vienna, Naturhist. Mus.
55.4 g Tübingen, Min.-Petrogr. Inst.
42.5 g Gifhorn, Bartoschewitz Colln.
40 g Paris, Mus. d'Hist. Nat.
39.6 g Chicago, Field Mus. Nat. Hist.
36.5 g London, Nat. Hist. Mus.
33.0 g Göttingen, Min. Inst. Univ.
24.7 g Budapest, Nat. Mus.
24.6 g Bonn, Min. Mus. Univ.
21 g Prague, Nat. Mus.
17 g Rome, Vatican Observatory Colln.
8.2 g Tempe, Arizona State Univ.
6.9 g Freiburg, J.Otto Colln.
5.7 g Stockholm, Naturhist. Riksmus.
5 g Cambridge, Harvard Univ.
4.2 g Mainz, Max-Planck-Inst. Chemie
2.3 g Berlin, Mus. Naturk., Humboldt Univ.
2 g Greifswald, Geol. Dept. Univ.
2 g Washington, U.S. Nat. Mus.
1.7 g Tokyo, NIPR
0.7 g Moscow, Geol. Mus., Acad. Rural Economy
Prepared sections:
London, Nat. Hist. Mus. (TS)
Mainz, Max-Planck-Inst. Chemie (PTS)
Paris, Mus. d'Hist. Nat. (TS)
Vienna, Naturhist. Mus. (PTS)

 

Thomas Presper sandte die Photokopie einer ausführlichen Beschreibung, in der die aktuellen Aufbewahrungsorte, der Weg nach Kalkutta und chemisch/physikalische Untersuchungen des Meteoriten beschrieben werden:

Link zum Artikel von H. Palme et al., "Meteorite - Urmaterie des Sonnensystems", p. 42 ff.