Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter August 2012 - Planetenfotografie - Das Sonnensystem ganz nah

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Liebe Freunde der Astronomie,

Die Beobachtung von Planeten ist eine lohnenswerte Aufgabe, gerade auch für den Astronomie-Anfänger, da sie selbst mit kleinen und preisgünstigen Teleskopen möglich ist und schnell zu Beobachtungserfolgen führt. Viele der sogenannten Wandelsterne sind so hell, dass sie problemlos am Himmel mit bloßem Auge aufzuspüren sind. Wer dann zum ersten Mal die GALLILEI’schen Monde um Jupiter, die Phasengestalt der Venus, oder die Ringe um Saturn unter Zuhilfenahme einer vergrößernden Optik erblickt, ist meist umgehend begeistert von der Fülle an strukturellen Details, die sich auch dem ungeübten Betrachter offenbaren. Die anfängliche Euphorie verfliegt jedoch spätestens dann, wenn man erkennt, dass die Detailfülle stark mit den Beobachtungsbedingungen am Standort, wie z.B. die Höhe des Beobachtungsobjektes, die Himmelshelligkeit, die Transparenz und Luftunruhe, das Seeing, korreliert sind. Das Auflösungsvermögen des Teleskops wird dadurch stark herabgesetzt und der flaue und wabernde Anblick des Planeten weckt den Wunsch danach, die in Momenten geringer Luftunruhe aufblitzenden Details festhalten zu können, um sie genauer und länger betrachten zu können.

Die Planetenfotografie ermöglicht das. Am Beispiel einer Marsaufnahme von März diesen Jahres, die unserem Mitglied Jan-David Förster in der vereinseigenen Paul Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim gelang, möchten wir einige wenige charakteristische Oberflächendetails des Mars erklären. In nebenstehendem Bild sehen Sie rechts eine berechnete Ansicht. Im Vergleich mit der tatsächlichen Aufnahme (links) fallen sofort die bläuliche Farbgebung und die hellen atmosphärischen Strukturen auf. Die bläulich, weißliche Farbgebung ist teilweise der Bildbearbeitung geschuldet, größtenteils aber durch gefrorenes Kohlenstoffdioxid (Trockeneis) in der Marsatmosphäre verursacht. Man sieht hier also klar Wolkenstrukturen, wenn auch nicht aus Wasserdampf, also Wettererscheinungen in der Atmosphäre eines fremden Planeten! Vor 10 Jahren waren solch detailreiche Aufnahmen im Amateurbereich noch undenkbar und sind heutzutage unter mitteleuropäischen Verhältnissen immer noch eher selten. Neben der nördlichen Polkappe, die ebenfalls sofort auffällt, sticht als dunkler Fleck Olympus mons, der größte Vulkan im Sonnensystem, mit einer Höhe von 26,4 km durch die Wolkendecke. Am rechten Rand der Wolkenformationen befinden sich drei weitere Vulkane der Tharsis Ebene, die nur schwach zu sehen sind. Über Ascreaus mons scheint die Wolkenfront nicht hinwegzuziehen und staut sich dort als Front auf. Am rechten Bildrand sind die Valles marineris, das tiefste und größte Grabensystem im Sonnensystem, mit einer Tiefe von bis zu 7 km und einer Länge von 4000 km auszumachen.

Die Kombination von größter Erhebung und tiefster Senkung des Sonnensystems in einem Bild, trägt sicherlich zur Ästhetik der Aufnahme bei.

Um solche Aufnahmen gewinnen zu können, sind Techniken nötig, wie sie auch professionelle Astronomen bspw. am Hubble Weltraumteleskop einsetzen. Ziel ist es die Luftunruhe, das Seeing, sozusagen einzufrieren. Dann erhält man unter Einsatz spezieller Filter Aufnahmen, die Details offenbaren wie sie mit bloßem Auge durch das Teleskop nicht zu sehen sind.

Ein weiteres Beispiel ist der Riesenplanet Jupiter mit seiner ständig bewegten Atmosphäre, in der unvorstellbar schnelle Winde toben. Der Große Rote Fleck, ein mindestens 400 Jahre alter Wirbelsturm (zur Aufnahmezeit der nebenstehenden Aufnahme auf der Planetenrückseite) hat den 2,5 fachen Durchmesser der Erde und ist auch durch kleine Teleskope leicht zu entdecken. Bei Jupiter sieht man besonders schnell Veränderungen in den strukturreichen Wolkenbändern.

Wer Planeten in Deutschland beobachten und fotografieren möchte, der hat bis 2015 noch die Möglichkeit Jupiter in großer Höhe über dem Horizont zu sehen. Bis 2019 sinken jedoch Mars Jupiter und Saturn auf 20° ab und sind dann nur noch schwer aus unseren Breiten heraus zu beobachten.

(Bild: Astronomie.de)

Wenn sie nun Lust haben mehr über die Planeten des Sonnensystems und Astronomie im Allgemeinen zu erfahren, besuchen Sie unsere Vorträge im Naturhistorischen Museum:

7. August 2012 - 18:30 Uhr

Die Welt der Planetarien

Jörg Schuster (Sternwartenleiter der AAG Mainz) veranschaulicht in seinem Vortrag die zweitausendjährige Geschichte der Nachbildung des Sternhimmels und seiner Bewegungen. Angefangen von „Wundern der Mechanik“ - Kunstwerken gleich -, bis hin zu den modernen Projektionsplanetarien unserer heutigen Zeit, führt dieser Vortrag hin zu der Frage, wie die Menschen das sie umgebende Weltall wahrnehmen. Es soll deutlich werden, dass die Nachbildung von Himmelserscheinungen stets vom Bestreben getragen war, die Wunder des Sternhimmels dem Menschen nahe zu bringen – das Weltall auf Erden erlebbar zu machen.

21. August 2012 - 18:30 Uhr

Die Planeten des Sonnensystems

Das Sonnensystem besteht aus unserer Sonne sowie den acht Planeten, die wiederum von einer Vielzahl von Monden begleitet werden. Dieser Vortrag bringt Sie zu all diesen Welten und erzählt Ihnen die spannenden Geschichten hinter deren Erforschung. Er zeigt Ihnen, dass Sie zur Zeit zu Gast sind auf einer der schönsten dieser Welten - der Erde. Er wird mit vielen Besonderheiten des Sonnensystems bekannt machen und zeigen, dass die Menschen mit dieser unseren alten Erde besser umgehen sollten – denn für unseren Planeten gibt es keinen Ersatz. Der Referent ist Jörg Schuster (Sternwartenleiter der AAG Mainz)


Ein ausführlicher Artikel über die Aufnahmetechniken zur Planetenfotografie für den Amateurastronomen steht Ihnen unten zum Download bereit.


     

    Weitere Ereignisse und Veranstaltungen im Monat August:

    Fr 10.8.2012 - 17:00 Uhr Sonnenbeobachtung in der Paul Baumann-Sternwarte

    Sa 11.8.2012 - 19:00 Uhr Sommerfest an der Paul Baumann-Sternwarte

    Achtung - Perseiden! Zwischen 10. und 14.8. ist der Sternschnuppenregen besonders kräftig. In diesen Nächten einfach mal auf die Lauer legen. Das Maximum wird in der Nacht zum 13.8. erwartet.

    Fr 17.8.2012 - 19:00 Uhr Vortrag: Die Milchstraße und ferne Galaxien - Café am Rathaus Klein-Winternheim

    Fr 24.8.2012 - 21:30 Uhr Beobachtungsabend in der Paul Baumann-Sternwarte

     

    Thema des nächsten Newsletters: Der Kalender der Maya und der Weltuntergang.

    (AAG Mainz e. V. am 02.08.2012)