Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter September 2012 - Der Kalender der Maya

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Liebe Freunde der Astronomie,

nach dem ersten Mainzer Astronomiebrunch am 9. September im Café Forster dreht sich in diesem Monat bei uns alles um den Weltuntergang. Aus naturwissenschaftlicher Sicht nähern wir uns gemeinsam mit Dr. Rainer Riemann im Anschluss an den Brunch dem Thema "Wann wird die Welt untergehen?" Aber natürlich dominiert der Maya-Kalender mit seiner Untergangsprophezeihung 2012 die Medien. Dr. Bernhard Schröck stellt Ihnen die Geheimnisse dahinter im Folgenden vor:

 

Der Kalender der Maya

von Dr. Bernhard Schröck

Maya-Maske (National Museum of Anthropology in Mexico City / Wikimedia Commons)Unter „Mayas“ versteht man eine Gruppe indigener Völker/Stämme in Mittelamerika, insbesondere auf der Halbinsel Yucatan; sie sind etwa seit 2500 v. Chr. nachgewiesen.

Die Entwicklung des Kalenders (der Kalender), der/die im Vergleich zu den Kalendern unsere Alten Welt doch sehr fremdartig ist/sind, beginnt etwa 100 n. Chr. und dauert bis in die „klassische Periode“ von etwa 300 bis 900 n. Chr.

Die Mayas gaben Daten mit Hilfe von drei Kalendern an, mit zwei zyklischen (Tzolkin, englisch Chol K’ij) und Haab, englisch Ja‘ab) und einem linearen (Long count).

Der eine zyklische Kalender, der Tzolkin (=Tageszählung) besteht aus einer Einheit von 260 Tagen. Dabei wurden zwei Zahlenreihen kombiniert: jeder  „Monat“ wurde nach einer Schutzgottheit genannt,  insgesamt gibt es 20 Namen:

Imix, Ik, Akbal, Kan, Chicchán, Cimí, Manik, Lamat, Muluc, Oc, Chuen, Eb, Ben, Ix, Men, Cib, Cabán, Etznab, Cauac, Ahau.

Innerhalb eines „Monats“ wurde dann von 1 bis 13 gezählt

Nach 13 x 20 = 260 Tagen wiederholt sich der Zyklus. Woher dieser Zyklus kommt,  ist ungeklärt, es gibt mehr oder weniger plausible Hypothesen.

Neben diesem Tzolkin gibt es als zweiten zyklischen Kalender den/das Haab, der am ehesten unserem natürlichen Jahr entspricht.

Er besteht aus 18 „Uinal“  zu je 20 Tagen, zusätzlich gibt es am Ende dieses Zyklus noch fünf unbenannte „Unglückstage“ (Uayeb).

Die Namen der Uinals:

Pop, Uo, Zip, Zotz, Tzec, Xul, Yaxkin, Mol, Chen, Yax, Zac, Ceh, Mac, Kankin, Muan, Pax, Kayab, Cumku

Auch hier werden die Tage des einzelnen Uinal von 1 – 20 nummeriert.

Das/der Haab ist also ein Jahr von 365 Tagen, genauso viele wie das ägyptische Jahr und wie dieses hat es keinen Schalttag, so dass der Jahresanfang alle vier Jahre gegenüber unserem Kalender sich um einen Tag verfrüht.

Ein Datum wurde also zunächst mit vier Komponenten bezeichnet, also z. B.

1 Imix (Tzolkin) 3 Pop (Haab)

Der darauf folgende Tag hat dann die Bezeichnung:

2 Imix (Tzolkin) 4 Pop (Haab)

Nach 13 Imix (Tzolkin)16 Pop (Haab) folgt dann

1 Ix  17 Pop

2 Ix 18 Pop

3 Ix 19 Pop

4 Ix 20  Pop

5 Ix 1 Uo

Usw.

Nach 18 980 Tagen (k. g. V. von260 (Tzolkin) und 365 (Haab)) wiederholen sich  die Tagesbezeichnungen, d. h., nach 52 Jahren. Es ist also nur mit Angabe dieser Viererkombination  (2 x 2) nicht möglich, ein Datum, das über 100 Jahre in der Vergangenheit liegt, eindeutig zu bestimmen.

Da es, anders als bei unseren Alte-Welt-Kalendern, keine Jahreszählung gab, wurde die „Große Zählung“ oder „Long Count“ benutzt. Sie geht von einem Startdatum aus („Epoche“, im Gegensatz zur umgangssprachlichen Bedeutung kein Zeitraum, sondern ein Zeitpunkt; entsprechendes gilt ja für die Koordinatenangaben von Sternen, die sich z. B. jetzt auf die Epoche 2000.0 beziehen) und zählt dann die Tage ab diesem Datum. Auch bei unseren Kalendern wird als Epoche ein Zeitpunkt angegeben, der lange vor der Einführung des entsprechenden Kalenders liegt: beim jüdischen Kalender ist es der 6. Oktober 3761 v.Chr., der als erster Schöpfungstag definiert wurde. Eingeführt hat diesen Kalender Rabbi Hillel II. im Jahre 359 n. Chr., also lange nach der Epoche.

Als Epoche des „Long Count“ (Long Count 0.0.0.0, 4 Ahau [Tzolkin], 8. Cumku [Haab]) wird von den meisten Forschern jetzt der 6. September 3114 v. Chr. (julianischer Kalender) angegeben. Welches Ereignis dieser Epoche zugrundeliegt, ist nicht bekannt. Hätte unser gregorianischer Kalender damals schon Gültigkeit gehabt, wäre es der 11. August 3114 v. Chr. gewesen („proleptischer Kalender“). Es werden auch andere Zahlen für diese Epoche angegeben, so z. B. der 21. Juli 2906 v. Chr (julianisch) bzw. 27. Juni 2906 v. Chr. (proleptisch gregorianisch).

Die einzelnen Ziffern in diesem long count sind  zunächst etwas schwer zu verstehen. Vergleichsweise werden in unserem Zahlensystem von rechts nach links zunächst die „Einer“, dann die „Zehner“ und dann die „Hunderter“ gezählt, also ist 256 zu lesen als 6 „Einer“, 5 „Zehner“ und 2 „Hunderter“. Im long count haben entsprechende Positionen eigene Namen und eigene Einheiten.

Als Beispiel für eine Umrechnung soll der Todestag des „Königs“ Pakal I. von Palenque dienen:

Im Maya Kalender starb er am 9.12.11.5.18 (long count):

Von rechts nach links kann man dies in unser Zahlensystem umrechnen:

Position
(von rechts)
Name Einheit an dieser Position Zahl an dieser Position Ergibt Tage
"Kin" 1 Tag 18 18x1= 18
"Uinal" 20 Tage 5 5x20= 100
"Tun" 360 Tage 11 11x360= 7200
"Katun" 7.200 Tage 12 9x7.200= 86.400
"Baktun" 144.000 Tage 9 9x144.000= 1.296.000
SUMME 1.386.478

Addiert gibt das zusammen 1.386.478 Tage nach der Maya-Kalenderepoche der 6. September 3114 v. Chr. (julianischer Kalender).

Man erkennt die Parallelität zum julianischen Datum. Die Epoche dieser Zählung ist der 1. Januar 4713 v. Chr. (auf die Erläuterung der Gründe, warum gerade diese Epoche gewählt wurde, soll an dieser Stelle verzichtet werden). Von da an werden alle Tage durchgezählt. Der 23.Juli 2012 hat z. B. das julianische Tagesdatum 2.456.131.  Nebenbei bemerkt: in der Chronologie ist die Epoche der julianischen Tageszählung der 1. Januar 4713 v. Chr.  0.00h,  in der Astronomie der 1. Januar 4713 v. Chr.  12.00h.

Wenn man nun den genauen Zeitpunkt der Maya-Epoche hätte, könnte man dessen julianisches Datum zu der Tagesanzahl des „Long Count“ eines Ereignisses dazu addieren und hätte dann das julianische Datum, das dann sofort in unseren Kalender umgerechnet  werden kann. Diese Zahl wird in der Literatur auch als „Korrelation“ bezeichnet.

Die meisten Forscher akzeptieren die von Goodman, Martinez und Thompson (CMT-Korrelation) angegebene Zahl von 584.285 (entspr. 6. September 3114  v. Chr. julianisch bzw. 11. August 3114 v. Chr. proleptisch gregorianisch). Manchmal wird auch die Korrelation von Wells und Fuls angegeben:660.208 (entspr. 21. Juli 2906 v. Chr. julianisch bzw. 27. Juni 2906 v. Chr. proleptisch gregorianisch).

In unserem Beispiel wäre das Todesdatum von Pakal unter Zuhilfenahme  der CMT-Korrelation

Long count                   1.386.478 Tage

+ CMT-Korrelation          584.285

=  Julianisches Datum  1.970.763 bzw. 26. August 683

Oder

Long count                  1.386.478 Tage

+ Korrelation von Wells und Fuls

660.208

= Julianisches Datum 2.046.686 bzw. 10. Juli 891.

Literatur:

Wendorff, Rudolf: Tag und Woche, Monat und Jahr, eine Kulturgeschichte des Kalenders, Westd. Verlag 1993

Thurston, Hugh: Early Astronomy, Springer 1995

Zemanek, Heinz: Kalender und Chronologie, 5. Aufl., Oldenbourg 1990

Wikipedia


     

    Weitere Ereignisse und Veranstaltungen im Monat September:

    6.9.2012 - 20:00 Uhr Beobachtungsabend in der Paul Baumann-Sternwarte

    9.9.2012 - 11:30 Uhr Astronomiebrunch im Café Forster im Naturhistorisches Museum Mainz

    9.9.2012 - 14:30 Uhr Vortrag: Wann wird die Welt untergehen? - Naturhistorisches Museum Mainz

    14.9.2012 - 19:00 Uhr Das Leben der Sterne - Rote Riesen, Weiße Zwerge und kleine grüne Männchen - Café am Rathaus Klein-Winternheim

    21.9. 2012 - 19:00 Uhr Vortrag: Der Sternenhimmel im Oktober, November, Dezember - Café am Rathaus Klein-Winternheim, im Anschluss: Beobachtungsabend an der Paul-Baumann-Sternwarte

    25.9.2012 - 18:30 Uhr: Vortrag Der Sternenhimmel im Oktober, November, Dezember - Naturhistorisches Museum Mainz

    (AAG Mainz e. V. am 05.08.2012)