Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Juli 2013: Sonnenteleskop im Einsatz

Spannende Beobachtung: Besuch der IGS Hechtsheim
Fantastische Anblicke: Die Sonne durch das AAG-Sonnenteleskop (Klciken zum Vergrößern)

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Neues AAG-Sonnenteleskop im Einsatz

In den vergangenen Wochen konnte unser neues Sonnenteleskop endlich zeigen, wozu es im Stande ist. Nach einem verregneten Frühling zeigte sich die Sonne vermehrt und ermöglichte erstaunliche Fotos sowie spannende Beobachtungserlebnisse bei öffentlichen Veranstaltungen und Schulprojekten.

IGS Mainz-Hechtsheim zu Gast in der Paul-Baumann-Sternwarte

Anfang Juni bekamen wir Besuch von der IGS Hechtsheim. Bei ihrem Wandertag hatten die Mädchen und Jungen der 7. Klasse strahlenden Sonnenschein mitgebracht und wurde mit einem Anblick belohnt, wie sie ihn noch nie zuvor gesehen hatten. Unser neues Sonnenteleskop ist übrigens das kleinere auf dem Foto. Trotz seiner kompakten Bauweise zeigt er ein weitaus detailreicheres Bild als der größere Refraktor mit Sonnenfilter, mit dem er sich eine Montierung teilt.

Auch die ersten wirklich spektakulären Fotos der Sonne mit unserem neuen Teleskop konnten wir bei dieser Gelegenheit aufnehmen (2. Bild).

AAG beim Halt-Dich-Fest in Klein-Winternheim

Wegen der Bewölkung tagsüber konnten wir Ende Mai beim Ortsfest in Klein-Winternheim leider keine Sonnenbeobachtung anbieten. Da es am Abend zuvor klarer war, war aber die Baul-Baumann-Sternwarte für einen Beobachtungsabend geöffnet, der den Besuchern sicher positiv in Erinnerung blieb. Mit einem eigens eingerichteten Shuttle-Bus-Service wurden von den Veranstaltern des HDF mehr als 70 Besucher zur Sternwarte und zum Ortszentrum zurück befördert. Auch Frau Ortsbürgermeisterin Granold war zwischenzeitlich anwesend und war wie wir sichtlich froh über die zahlreichen Besucher. Die letzten Besucher verließen die Sternwarte erst am Sonntagmorgen gegen 1 Uhr.


Stellarium: Deutlicher Abstand des Polarsterns zum Himmelsnordpol
Sternenkarte des Peter Apian

Der Polarstern in früherer Zeit

von Bernhard Schröck

Der Polarstern hat heute noch vom Himmelsnordpol einen  Abstand von 40 Bogenminuten oder  fast 1.5 Vollmonddurchmesser . Bis zum Ende dieses Jahrhunderts  nähert sich der Polarstern dem Pol bis auf weniger als 1/2 Grad oder ein Vollmonddurchmesser. Eine genauere Berechnung erlaubt das Programm Polsuche2.exe von Dr. Michael König, 64668 Rimbach.

Wie war es nun in vergangener Zeit?

In der ersten schriftlichen Erwähnung einer Navigation nach Sternen in unserem Kulturkreis wird der Polarstern überhaupt nicht erwähnt. Im fünften Gesang der Odyssee (Vers 270 ff, Übersetzung von Voß, Projekt Gutenberg) heißt es:

"Freudig spannte der Held im Winde die schwellenden Segel.

Und nun setzt' er sich hin ans Ruder, und steuerte künstlich

Über die Flut. Ihm schloß kein Schlummer die wachsamen Augen,

Auf die Pleiaden gerichtet, und auf Bootes, der langsam

Untergeht, und den Bären, den andre den Wagen benennen,

Welcher im Kreise sich dreht, den Blick nach Orion gewendet,

Und allein von allen sich nimmer im Ocean badet.

Denn beim Scheiden befahl ihm die hehre Göttin Kalypso,

Daß er auf seiner Fahrt ihn immer zur Linken behielte.

Siebzehn Tage befuhr er die ungeheuren Gewässer.

Am achtzehnten erschienen die fernen schattigen Berge

Von dem phäakischen Lande, denn dieses lag ihm am nächsten;

Dunkel erschienen sie ihm, wie ein Schild, im Nebel des Meeres."

Dies ist auch nachvollziehbar, hat a Umi (unser heutiger Polarstern) im vermutlichen Entstehungsjahr 800 v. Chr.  doch einen Himmelspolabstand von etwa 16°. Dass er dann durch Poseidon nach Korfu getrieben wurde, steht auf eine anderen Blatt. Machen wir nun einen Sprung ins frühe Mittelalter:

Otfrid von Weißenburg, der von etwa 790 bis etwa 875 als Zeitgenosse des Karolingers Ludwig dem Deutschen (806 bis 876) lebte , beschreibt in seinem Ludwig gewidmeten Liber evangeliorum, eine Zusammenfassung der vier Evangelien, im Zusammenhang mit Christi Himmelsfahrt den Sternenhimmel  im Buch V, Kapitel 17, Vers 25 – 32:

"Rasch erhob er sich über Sonne und Mond

Und dieses ganze Erdenrund – nie hatte ein Mensch zuvor je so etwas gesehen –

und im gleichen Augenblick schon ließ er die zwölf Tierkreiszeichen unter sich

auf ihrer geneigten Umlaufbahn, in einem raschen Nu,

ferner das Siebengestirn und die Sternbilder der beiden Wagen,

nicht minder den Drachen, der sich zwischen ihnen windet,

auch den langsamen Saturn und den feststehenden Polarstern,

den du in klarer Nacht dort schwach erkennen kannst..."

(aus "Otfrid von Weißenburg, Evangelienbuch Althochdeutsch-Neuhochdeutsch, Auswahl", herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Gisela Vollmann-Profe, reclam 1987).

Schaut man sich den Sternenhimmel um 870 an, so sieht man, dass der Stern a Umi mit etwa 2 mag) 6° 30‘ (etwa 13 Vollmonddurchmesser) vom Himmelsnordpol entfernt ist. Der damalige Polarstern war HIP 62572 mit einer Helligkeit von 5,3 mag, die Beschreibung Otfrids war also genau.

Peter Apian, Mathematiker, Astronom und Geograph (geb. 16. April 1495, gest. 21. April 1552 in Ingolstadt benennt in seinem Astronomicum Caesareum (1540) als "ersten Stern des Sternbildes" an der äußersten Schwanzspitze des kleinen Bären als Polarstern, der so heißt, weil er in Nähe des Himmelpols steht. Mit "Stellarium" sieht man einen deutlichen Abstand von a Umi vom Himmelspol, insgesamt 3°, 11' (Bild). In seiner Sternkarte in diesem Werk ist  die Bewegung des Polarsterns in der Nähe des Himmelsnordpols  aufgezeichnet (Bild: Astronomicum caesareum, digitalisiert von der "Astronomy Library of the Vienna University").

In unserer Zeit sind wir also in der glücklichen Lage, dass uns ein sehr heller Stern die Nordrichtung weist.


Weitere Ereignisse und Veranstaltungen im Monat Juli:

5. Juli 2013 - 20:00 Uhr

Anne Frank-Realschule Plus Mainz

Mitgliedertreff/Astrotreff

 

13. Juli 2013 - 16:00 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Sonnenbeobachtung

 

14. Juli 2013 - 14:30 Uhr

Naturhistorisches Museum Mainz

Kuriositäten des Sonnensystems

Vortrag von Dr. Rainer Riemann

 

27. Juli 2013 - 16:00 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Sonnenbeobachtung