Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter September 2013: Nova und Supernova - AAG liefert wichtige Daten

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Supernova in der Spiralgalaxie M74

von Dr. Otmar Nickel

Am 25.7.2013 wurde in M74 von einem Teleskop des  Lick Observatory Supernova Search Projekts eine Supernova (Typ II) entdeckt. Es handelt sich dabei um die Explosion eines sehr massereichen Sterns (8-10 Sonnenmassen), dessen haupsächliches „Brennmaterial“ (Wasserstoff und Helium) fast verbraucht ist und der daher im Kernbereich zu einem Neutronenstern (oder sogar zu einem schwarzen Loch) kollabiert. Dabei wird durch die jetzt explosive Fusion von Atomkernen die äußere Hülle des Sterns stark aufgeheizt und abgestoßen. Das Leuchten dieser Hülle sehen wir als „neuen“ Stern. Die visuelle Helligkeit erreichte im Maximum 12,5 mag, konnte somit in größeren Amateurteleskopen gut gesehen werden.

Über 50 Amateure konnten Helligkeitsmessungen zu einer Lichtkurve der AAVSO (American Association of Variable Star Observers) beitragen, darunter auch AAG-Mitglied Dr. Otmar Nickel (Beobachterkürzel „NOT“) mit seinem Teleskop in Mainz-Ebersheim. Die Lichtkurve unten zeigt den Verlauf der Helligkeiten mit verschiedenen Farbfiltern: grün=V-Band (entspricht dem visuellen Nachtsehen), blau=B-Band, orange=I-Band (nahes Infrarot). Die Messungen von Dr. Otmar Nickel sind durch Kreuze markiert. Die Helligkeiten verhalten sich sehr unterschiedlich entsprechend der Temperatur der Explosionswolke: Am Anfang ist die Temperatur sehr hoch, dadurch ist die Blau-Helligkeit sehr hoch, später kühlt die Wolke ab, die Helligkeit nimmt im blauen Bereich wesentlich stärker ab als im visuellen bzw. im Infrarotbereich.

SN 2013ej in M74 am 31.7.2013 (O. Nickel, Mainz-Ebersheim)
Lichtkurven der AAVSO von SN 2013ej in M74

Nova im Sternbild Delphin

von Jan-David Förster

Im Gegensatz zu Supernovae wird bei Novae der ursprüngliche Stern nicht zerstört. Novae ereignen sich in engen Doppelsternsystemen bei denen eine Komponente ein Weißer Zwerg und der Begleiter ein Roter Riese ist. Der Weiße Zwerg zieht nun aus der äußersten Schicht des Roten Riesen Wasserstoff ab, welcher sich in einer Scheibe um den Weißen Zwerg und an dessen Oberfläche sammelt. Wird dort eine kritische Temperatur von etwa 10 Mio °C erreicht, setzt die Kernfusion explosionsartig ein. Analog zur Supernova ist der sichtbare Effekt das Aufleuchten der daraufhin abgestoßenen Hülle.

Die aktuelle Nova im Sternbild Delfin wurde am 14. August von dem Amateurastronomen Koichi Itagaki in Japan entdeckt. Sie erreichte ihr Helligkeitsmaximum bereits am 16. August mit 4,3 mag und war sogar mit bloßem Auge für wenige Tage zu sehen. Diese Nova ist Gegenstand aktueller Forschung und steht auch noch in den kommenden Monaten unter intensiver Beobachtung der Profi- und Amateurastronomen aus aller Welt. Auch in der Paul Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim wurden die schnellen Veränderungen der Helligkeit (durch Dr. Otmar Nickel) und des Spektrums (durch Jan-David Förster) dokumentiert. Aus den charakteristischen, mit Emissionslinien durchzogenen Spektren ließ sich am 16.8. eine extrem hohe Geschwindigkeit der expandierenden Gashülle von rund 2000 km/s ableiten.

Künstlerische Darstellung eines engen Doppelsternsystems aus Weißem Zwerg und rotem Riesen (Quelle: ESO / M. Kornmesser)
Veränderungen der Spektren der Nova Delphini 2013 im Vergleich
Lichtkurven der AAVSO von Nova Delphini 2013

Weitere Ereignisse und Veranstaltungen im Monat September:

6. September 2013 - 20:30 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend

 

10. September 2013 - 18:30 Uhr

Naturhistorisches Museum Mainz

Der Sternenhimmel im Herbst

Vortrag von Dr. Bernhard Schröck

 

13. September 2013 - 20:00 Uhr

Anne Frank-Realschule Plus Mainz

Astrotreff

für Mitglieder und Freunde der Astronomie

 

14. September 2013 - 20:30 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend

 

 

27. September 2013 - 20:00 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend