Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Oktober 2013: Lichtverschmutzung in Rheinhessen

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Der Verlust der Nacht durch Lichtverschmutzung

von Jan-David Förster

Blickt man aus der Mainzer Innenstadt in den Himmel, so kann man in einer klaren Nacht mit Glück etwa 300 Sterne entdecken. Im ländlichen Raum hingegen sind etwa 3000 Sterne ohne Schwierigkeiten sichtbar und die Milchstraße ist klar erkennbar. Verantwortlich für diese Diskrepanz ist der Mensch selbst, der mit seinem ungezügelten Drang die Nacht zum Tage zu machen sogenannte Lichtverschmutzung erzeugt, die durch die Streuung von Licht an Wasserdampf und Staub in der Atmosphäre hervorgerufen wird. Dass dies neben dem Verlust eines der ältesten Kulturgüter, dem Sternenhimmel, massive Folgen für die Umwelt und auch auf die Gesundheit des Menschen selbst hat, ist mittlerweile breit anerkannt.

In den vergangenen Jahren wurde das Problem auch auf den politischen Bühnen diskutiert und in einigen europäischen Ländern wie Italien, Slowenien und zuletzt Frankreich wurden Gesetze zum Schutz vor Lichtimmissionen und zum Schutz des Nachthimmels erlassen. In Deutschland gibt es bei diesem Thema noch einigen Aufholbedarf, jedoch sind viele Städte und Gemeinden inzwischen durch das enorme Energieeinsparpotential moderner Leuchtmittel motiviert, ihr Beleuchtungskonzept zu überdenken und die sinnlose Emission von Licht durch die Umrüstung mit effizienteren und abgeschirmten Leuchten zu reduzieren.

Zur Quantifizierung der Himmelshintergrundhelligkeit und damit der Beurteilung des Lichtverschmutzungsgrades haben sich verschiedene Verfahren etabliert. Bei der „faintest star“-Methode wird mit dem bloßen Auge nach den schwächsten sichtbaren Sternen gesucht. Viele Hobbyastronomen vergleichen dabei die sichtbaren Sterne des Kleinen Wagens im Sternbild Kleiner Bär mit einer Karte des Sternbilds. Die Helligkeit des Sterns der gerade noch sichtbar ist, wird dann als visuelle Grenzgröße (NELM – naked-eye limiting magnitude) angegeben. Eine andere Möglichkeit ist die Zählung der Sterne im sogenannten Pegasus-Quadrat. Natürlich ist diese Methode stark vom jeweiligen Beobachter abhängig.

Bei der seit 2001 bekannten Bortle-Skala, wird die Sichtbarkeit flächiger Objekte, wie z.B. die von Sternhaufen, Andromeda-Galaxie und Sturkturen der Milchstraße zur Abschätzung der Bortle Klasse verwendet.

Eine relativ neue Methode nutzt das Sky-Quality-Meter (SQM), ein erschwingliches kalibriertes Messgerät, welches die Dunkelheit des Himmels in Magnituden pro Bogensekundenquadrat angibt und somit die Quantifizierung der Dunkelheit ermöglicht. Mit dem SQM ist die Transparanz (Dunstigkeit) des Himmels jedoch nicht messbar, daher sollte stets eine Kombination mit einer der visuellen Methoden zur Beurteilung der echten Himmelsqualität herangezogen werden.

In einer 2007 veröffentlichten Arbeit leitete Fréderic Tapissier die zu erwartende Lichtverschmutzung von der Bevölkerungsdichte ab. Für Deutschland und andere europäische Länder wurde daraus eine sehr hochauflösende Karte errechnet, die weitestgehend eine Übereinstimmung mit den niedriger auflösenden Satellitendaten des amerikanischen DMS-Programms zeigt. Einen Ausschnitt der Karte für unsere Region ist unten gezeigt. Der blaue Punkt zeigt die Position der Paul Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim. Eigene Messungen mit dem SQM ergeben für den gelb markierten Randbereich von Mainz Werte von etwa 19.2 mag/arcsec² und für die Sternwarte 20.1 mag/arcsec². An der Position des violetten Punktes in der Karte wurden in einer klaren Nacht 20.7 mag/arcsec² gemessen. Diese Werte entsprechen NELMs von 5.1 mag, 5.8 mag, bzw. 6.2 mag. (Je höher die Magnitudenzahl desto dunkler ist der Himmel.) Der Wert 6.2 mag entspricht etwa 2500 mit bloßem Auge sichtbaren Sternen. Eine Magnitude Differenz ändert diese Anzahl um den Faktor 3.

Weitere Infos zum Zusammenhang zwischen DMSP-Daten, NELM und SQM-Messungen können diesem Artikel entnommen werden. Auf http://lichtverschmutzung.de/ informiert die Fachgruppe Dark-Sky der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) umfangreich über das Thema Lichtverschmutzung und Beleuchtungskonzepte.


Sternbild des Monats: Pegasus

 

von Christopher Peter

 

Im Herbst erklimmt das riesige Sternbild Pegasus den Abendhimmel - gut zu erkennen durch die quadratische Sternformation in seinem Zentrum. Wie das mythologische geflügelte Pferd erreicht es große Höhen und ist am späten Abend nahe des Zenits in südlicher Richtung zu sehen.

Eingebettet ist Pegasus in eine Gruppe von Sternbildern, die im Zusammenhang mit der Perseus-Sage stehen. Denn als der Held Perseus der schrecklichen Medusa das Haupt abschlug (mittels einer List der Göttin Pallas Athenae), entsprang der Medusa das geflügelte Pferd Pegasus. Die Sternbilder Pegasus und Perseus umrahmen das Sternbild Andromeda - es ist der Frau des Perseus gewidmet, die er nach seiner Heldentat heiraten durfte.

Eine weitere wichtige mit dem Pegasus in Verbindung stehende mythologische Figur ist Bellerophon. Diesem nicht minder heldenhaften Jüngling wurde das traurige Schicksal zuteil, schließlich vom Pegasus abzustürzen - nachdem er sich dem Olymp genähert und so den Zorn des Zeus auf sich gezogen hatte.

Bellerophon führt uns zur ersten astronomischen Besonderheit des Sternbilds Pegasus: Er soll Namenspatron für den Exoplaneten "51 Pegasi b" werden, der 1995 als erster bekannter Exoplanet überhaupt in die Wissenschaftsgeschichte einging.

Mit amateurastronomischen Mitteln ist dieser Planet praktisch nicht zu beobachten. Ein viel lohenderes Himmelsobejekt hingegen ist M 15 - ein brillanter Kugelsternhaufen, der sich an den Nüstern des Pegasus, nahe des Sternbilds Füllen findet. Er lässt sich bei dunklem Himmel bereits im Fernglas als nebliger Fleck erkennen und mit einem 6-Zoll-Teleskop in einzelne auflösen.

"Stephans Quintett" benötigt ein deutlich größeres Teleskop. Dafür entschädigt diese Galaxiengruppe mit dem einzigartigen Anblick von fünf Galaxien, die einander zu berühren scheinen. Darüber hinaus beheimatet das große Sternbild Pegasus viele weitere Galaxien, veränderliche Sterne und Mehrfachsternsysstem, die es immer zu einem interessanten Beobachtunsziel am Sternenhimmel machen.

 

Sternbild Pegasus am 6. Oktober 2013 um 21:30 Uhr
Kugelsternhaufen M15
Stephans Quinett

Weitere Ereignisse und Veranstaltungen im Monat Oktober:

4. Oktober 2013 - 20:00 Uhr

Anne Frank-Realschule Plus Mainz

Astrotreff

für Mitglieder und Freunde der Astronomie

 

11. Oktober 2013 - 19:30 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend

 

 

25. Oktober 2013 - 19:30 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend

 

27. Oktober 2013 - 14:30 Uhr

Naturhistorisches Museum Mainz

Auf Astro-Safari in Namibia - Ein Reisebericht mit Bildern des südlichen Sternhimmels

Vortrag von Dr. Otmar Nickel (AAG Mainz)