Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter November 2013: Spica hinter der Mondsichel

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Mond bedeckt Spica am 2. November

von Christopher Peter

Eine schwierige Übung für Sternenfreunde: Am Morgen des 2. November wird der Mond den Stern Spica bedecken. Dabei schiebt sich unser Trabant streifend, aber vollständig vor den Hauptstern im Sternbild Jungfrau. Die Bedeckung durch den beinahe-Neumond (nur 2% sind beleuchtet) beginnt von Mainz aus gesehen gegen 6:30 Uhr und endet etwa 7:11 Uhr.

Was die Beobachtung erschwert, ist die große Nähe zur Sonne. Sie ist zwar auch nach Ende der Bedeckung noch nicht aufgegangen, erhellt den Himmel aber derartig, dass die Beobachtung nur bei klarem Wetter gelingt. Anders als in südlicheren Gegenden des deutschen Sprachraums braucht man sich um die Augen jedoch keine Sorgen zu machen: In Österreich könnte bei dem etwas späteren Austritt der Spica schon ein kleiner Wackler mit dem Fernglas zu einem gefährlichen direkten Blick in die Sonne führen. Mit bloßem Auge wird es leider kaum möglich sein, Spica um diese Uhrzeit noch zu sehen. Es empfiehlt sich ein Fernglas oder ein kleines Teleskop.

Es handelt sich am 2. November um ein Ereignis von 24 Spicabedeckungen zwischen 2012 und 2014. Aus Mitteleuropa lässt sich davon jedoch nur eine einzige beobachten, nämlich die vom 2. November. Die übrigen ereignen sich entweder am helllichten Tag oder der Mond verfehlt den Stern von uns aus gesehen. Wer es also verschmerzen kann, an einem Samstag ein wenig früher aufzustehen, wird mit dem Anblick einer echten Rarität belohnt.

Wichtiger Beobachtungstipp: Stellen Sie rechtzeitig sicher, dass Sie eine freie Sicht bis zum Horizont haben, die nicht durch Bäume, Häuser oder ähnliches versperrt wird.

Beginn der Spicabedeckung am 2.11.2013 um 6:30 Uhr

Die Mondkultur der Kelten

Schon Cäsar schrieb in "de bello gallico" anerkennend über das Astronomiewissen der Kelten. Dr. Allard Mees, AAG Mitglied und Archäologe beim RGZM, forscht seit einigen Jahren zu diesem Thema. Gemeinsam mit Prof. Bruno Deiss vom Physikalischen Verein veröffentlichte Allard Mees kürzlich auch in Spektrum der Wissenschaft (August 2013) spannende Ergebnisse seiner Forschung, wonach die Grabanlage von Magdalenenberg (bei Villingen-Schwenningen) als Mondkalender keltischer Sternenforscher zu verstehen ist. Denn dort, im großen Fürstengrabhügel (616 v. Chr.), wurden Strukturen festgestellt, die mit den Mondwenden in Verbindung gebracht werden können.

Bericht von Allard Mees, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz & AAG-Mitglied

Die Anordnung der kreisförmig um die zentrale Fürstengrabkammer angelegten Gräber kommt exakt mit den Sternbildern der nördlichen Hemisphäre überein, die zwischen der Winter- und Sommersonnenwende bei uns sichtbar sind.

Innerhalb des Grabhügels wurden diagonal Pallisaden aus sehr großen Stämmen angebracht, die bis oberhalb des Grabhügels herausragten. Die Reihen zielten auf diejenigen Stellen am Horizont, an denen die Mondwenden alle 18,61 Jahre stattfinden. Diese befinden sich ausserhalb der Sonnensonnwenden. Auch die Kopfrichtungen der kreisförmig angelegten Gräber wechseln genau an einem der Mondwendepunkte. Weitere Grabhügel am Kaiserstuhl und im Burgund aus der gleichen frühkeltischen Hallstatt-Kultur besaßen praktisch identische Gräberanordnungen.

Cäsar schrieb in seinem Bericht über den Gallischen Krieg über den mondbasierten Kalender der Kelten. Ptolomaios berichtete über die astrologische Bedeutung, die diesen Mondwenden im Mittelmeerraum zugemessen wurden. Dieser Auffassung nach ist der Stand der Sterne zum Zeitpunkt der Mondwenden entscheidend für die Frage, ob ein Mensch gesund geboren wird. Die Kelten glaubten an die Wiedergeburt und die Vermutung liegt somit nahe, dass die Mondwendenorientierung mit der Hoffnung auf eine gute Wiedergeburt in Verbindung gebracht wurde. Ähnlich wie es früher bei den christlichen, nach Osten ausgerichteten Gräbern der Fall war, die ebenso eine Auferstehungshoffnung symbolisierten.

Diese astronomischen Bezüge der frühen keltischen Grabmonumente belegen die Mondverbundenheit dieser Kultur. Erst mit der Eroberung Galliens und Britanniens durch Julius Cäsar wurde das sonnenbasierte Kalendersystem, der julianische Kalender, in unseren Gebieten eingeführt und bildet seither die Grundlage unserer Kultur.

 

Publiziert in:

A.W. Mees, Der Sternenhimmel von Magdalenenberg. Das Fürstengrab bei Villingen-Schwenningen - ein Kalenderwerk der Hallstattzeit. Jahrbuch Römisch-Germanisches Zentralmuseum 54 [Mainz 2007 (erschienen 2011)] 217-264.

A.W. Mees, Die Kelten und der Mond. Neue Forschungen am Magdalenenberg. Antike Welt 6/2012, 47-54.

A.W. Mees / B. Deiss, Keltische Sternenforscher. Spektrum der Wissenschaft 2013/9, 78-83.

A.W. Mees / B. Deiss, Heiliger Mond. Die Geschichte der Astronomie. Vom Orakel zum Teleskop. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 2013/3, 22-27.

Gesamtplan des keltischen Fürstengrabhügels von Magdalenenberg mit Mondwenden und Sternbildern.

Weitere Ereignisse und Veranstaltungen im Monat November:

 

7. November 2013 - 18:00 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend

 

 

8. November 2013 - 20:00 Uhr

Anne Frank-Realschule Plus Mainz

Astrotreff

für Mitglieder und Freunde der Astronomie

 

19. November 2013 - 18:30 Uhr

Naturhistorisches Museum Mainz

Der Sternenhimmel im Winter

Vortrag von Dr. Bernhard Schröck (AAG Mainz)

 

22. November 2013 - 18:00 Uhr

Paul-Baumann-Sternwarte

Beobachtungsabend