Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Projekt Rheinhessen-Sternwarte

Astronomische Bildungsmöglichkeiten in der Region erhalten

Die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V. plant zurzeit die Errichtung einer öffentlichen Sternwarte in Stadecken-Elsheim.

Wir möchten so gemeinsam mit unseren Partnern die Zukunft der astronomischen Volksbildung in unserer Region gestalten.



Projektbeschreibung:

Die Astronomie ist eine Basiswissenschaft, die großes Potential zur Vernetzung von Lerninhalten unterschiedlichster Disziplinen hat. Sie ist dabei nicht auf die Naturwissenschaften beschränkt, sondern befasst sich auch mit kulturgeschichtlichen Hintergründen, der Veränderung von Weltbildern, essentiellen Themen wie der Entstehung des Lebens, dem Klima und dem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt und ermöglicht im gesellschaftlichen und philosophischen Themenfeld die Betrachtung des Menschen im Kontext des gesamten Universums. Gerade in der heutigen unübersichtlichen, schnelllebigen und technisierten Welt kann die Fähigkeit zu vernetztem Denken, das schnelle Erfassen komplexer Zusammenhänge und der Erwerb von Kompetenzen in Naturwissenschaft und Technik ein entscheidender Bildungsvorteil sein. Aus diesem Grund setzt sich die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V. (AAG) bereits seit 1970 in ehrenamtlicher und gemeinnützig anerkannter Arbeit mit ihren Kompetenzen in den astronomischen Wissensgebieten für die ganzheitliche Bildung, gerade von Kindern und Jugendlichen ein. Die Kooperation mit Schulen genießt hierbei einen hohen Stellenwert.

Mit der Schließung der Volkssternwarte Mainz im Jahre 2011 wurde das stets kostenfreie und ehrenamtlich von der AAG durchgeführte Beobachtungsangebot, bei dem interessierte Bürgerinnen und Bürger den Sternenhimmel unter fachkundiger Betreuung erleben konnten und auch Neuigkeiten aus der Wissenschaft verständlich vermittelt bekamen, massiv eingeschränkt. Bereits sechs Jahre vorher musste der Besucherbetrieb aufgrund der Verschärfung von Brandschutzbestimmung drastisch reduziert werden. Praxisseminare und Astronomiekurse wurden von der AAG für die Volkshochschule Mainz durchgeführt. Aufgrund der räumlichen Nähe zum Naturhistorischen Museum Mainz ergibt sich ein Kooperationspotential, das seit vielen Jahren auf verschiedene Weise, z. B. durch Ausstellungen, Gruppenführungen und Vorträge genutzt und momentan aufgrund mangelnder Möglichkeiten auf die Durchführung einer Vortragsreihe beschränkt ist.

Die seit 1984 in den Außenbereichen von Klein-Winternheim bestehende Paul Baumann-Sternwarte dient der AAG als Vereinssternwarte. Ein Betrieb als Besuchersternwarte ist aufgrund der nicht vorhandenen Aufenthaltsräumlichkeiten nur eingeschränkt möglich. Obwohl das Teleskop der Sternwarte deutlich leistungsfähiger ist als das Teleskop der Volkssternwarte Mainz und der Himmel in Klein-Winternheim dunkler ist als in der Mainzer Innenstadt, ist die Lage nicht ideal, da die Sternwarte zunehmend durch Lichtverschmutzung, Neubaugebiete und den geplanten Bau eines Windenergieparks zwischen Mainz-Hechtsheim und Klein-Winternheim beeinträchtigt werden wird.

Die Astronomische Arbeitsgemeinschaft sieht sich als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und der Bevölkerung. Daher bemühen wir uns um öffentlichkeitswirksame Wissenschaftskommunikation und sind in der Region oft Ansprechpartner der Medien bei astronomischen Fragestellungen.

Den Erhalt der astronomischen Bildungsmöglichkeiten in Rheinhessen haben sich die Astronomische Arbeitsgemeinschaft, die Stadt Mainz und die Verbandsgemeinde Nieder-Olm als gemeinsames Ziel gesetzt. Das in mehrjähriger Anstrengung erarbeitete Konzept der AAG basiert auf drei Säulen, die nachfolgend erläutert werden:

1.      Standort Mainz – Mehrzweckraum

Im Gebäudekomplex des Naturhistorischen Museums entsteht ein Mehrzweckraum, der von der Anne-Frank-Realschule, vom Naturhistorischen Museum Mainz und von der AAG als zentraler Lehr- und Vermittlungsort genutzt werden soll. Im Zuge der Baumaßnahme erhält die AAG auch neue Geschäfts- und Vereinsräumlichkeiten für ihre Arbeit. Durch die drei Partner am Standort wird ein Potential geschaffen, das sich im museumspädagogischen Bereich, in der MINT-Förderung und in einer neuen Art der Vernetzung von Museum, Schule und Wissenschaft widerspiegeln wird.

Ferner soll der Mehrzweckraum einem größeren Publikum astronomische Beobachtungen ermöglichen. Dies wird durch die ferngesteuerte Ankopplung einer neuen Sternwarte erreicht. Live-Bilder astronomischer Objekte und des Sternenhimmels, werden über das Internet übertragen und können gleichzeitig von bis zu 150 Personen betrachtet und besprochen werden. Dies grenzt sich grundlegend von der klassischen Sternwarte ab, in der nur eine einzige Person gleichzeitig durch das Okular schauen kann. Eine automatisierte Sternwarte ist ein mächtiges didaktisches Werkzeug, welches allen Partnern am Standort zur Verfügung stehen wird und die Möglichkeiten der Wissensvermittlung auf eine neue Ebene heben kann. Dabei ist die Nutzung nicht auf die Nachtstunden beschränkt. Am Tage können durchaus Planeten, helle Sterne und die Sonne betrachtet werden. Somit ist auch eine Integration astronomischer Beobachtungen in den Schulunterricht denkbar. Am Standort Mainz entstünden damit einzigartige und innovative Bildungsmöglichkeiten.

Sonnenoberfläche im H-Alpha Licht, Aufnahme aus der Paul Baumann-Sternwarte

2.      Standort Stadecken-Elsheim –Ferngesteuerte Rheinhessen-Sternwarte

Auf dem Pfadberg in Stadecken-Elsheim könnte eine Sternwarte mit semiprofessioneller Ausstattung errichtet werden, die die Volkssternwarte Mainz und die Paul Baumann-Sternwarte Klein-Winternheim ersetzen würde. Die exponierte Lage und der für Rheinhessen äußerst dunkle Himmel, sowie die gute infrastrukturelle Anbindung vor Ort, sprechen für diesen Standort. Die Hauptnutzung der Sternwarte würde der ferngesteuerte Betrieb via Internet sein. Hierdurch würde die Anbindung der Sternwarte an den Mehrzweckraum in Mainz erreicht. Darüber hinaus ist auch die Nutzung von anderen beliebigen Standorten mit Internetanschluss aus möglich. Interessierte Lehrkräfte könnten so ihren Schülern die „Sternwarte ins Klassenzimmer“ holen. Der Aktionsradius einer Sternwarte wird durch diese technischen Möglichkeiten stark erweitert. Ein Besuch der Sternwarte wäre zwar immer noch empfehlenswert, aber nicht mehr unbedingt erforderlich für die Wissensvermittlung. Auch der Nachbarverein der AAG in Alzey, würde sich an der technischen Betreuung der Sternwarte beteiligen. Bereits zwei Landkreise könnten auf diese Weise mit ihren Schulen und Bildungseinrichtungen von dieser Sternwarte profitieren.

3.      Standort Stadecken-Elsheim –Öffentliche Rheinhessen-Sternwarte

Interessierten Besuchern soll die Sternwarte regelmäßig offen stehen. Die Vermittlung vieler Aspekte astronomischen Wissens und die Orientierung am Nachthimmel können nur unter echtem Sternenhimmel gelingen.

Die ganz bewusste Wahl des Standorts Stadecken-Elsheim ist auch auf Adam Elsheimer zurückzuführen, dessen Vorfahren aus Elsheim stammen. Adam Elsheimer ist ein bedeutender deutscher Maler, der Anfang des 17. Jhd. als erster Maler überhaupt, den Sternenhimmel mit wesentlichen astronomischen Merkmalen wie der Milchstraße und Details auf der Mondoberfläche realitätsnah darstellte. Mit Elsheimer begann die Naturalisierung des Weltbildes in der Malerei. Lesen Sie hier unseren Newsletter zu diesem Thema. Als Zeitgenosse Galileo Galileis hatte Elsheimer in Rom wohl Zugang zu einem der ersten Teleskope, betrachtete mit ihm den Sternenhimmel und hielt seine Eindrücke malerisch in seinem berühmten Gemälde „Flucht nach Ägypten“ im Jahre 1609 fest. Adam Elsheimer kann daher als früher Vorfahre aller Amateurastronomen gesehen werden, die die Schönheit des Sternenhimmels bewusst wahrnehmen. Im Gedenken an Adam Elsheimer wollen wir für die Stadecken-Elsheimer und für die Bürger der Region neue Beobachtungs-möglichkeiten des Sternenhimmels schaffen.

Auch Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wären möglich, denn das geplante Instrumentarium der Sternwarte würde auch Beobachtungen mit wissenschaftlichem Anspruch erlauben.  Eine Eingliederung in das vom DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) betreute europäische Feuerkugelnetz zur Himmelsüberwachung ist ebenfalls denkbar. Ferner können Mitglieder der AAG die Sternwarte für ihre privaten Forschungsvorhaben und für Astrofotografie nutzen. Bereits heute betreiben die Mitglieder der AAG Astronomie auf einem sehr hohen Niveau und publizieren regelmäßig in amateurastronomischen Zeitschriften ihre Beobachtungsergebnisse. Auf den Gebieten der Photometrie, Spektroskopie und der Positionsbestimmung von Asteroiden können Amateure auch heute noch wissenschaftliche Beiträge leisten. Dieses Potential möchten wir durch eine technologisch hochentwickelte Sternwarte noch besser nutzen können und Schüler, die im ländlichen Umfeld sonst keine derartigen Möglichkeiten haben, durch Projektarbeiten an naturwissenschaftliches Denken und Forschung heranführen.

Der künftige Betrieb der Sternwarte wird durch die Astronomische Arbeitsgemeinschaft in ehrenamtlicher Arbeit durchgeführt. Laufende Kosten werden aus Mitteln des Vereins gedeckt. Das Angebot einer öffentlichen Sternwarte kommt auf vielfältige Weise der gesamten Bevölkerung zugute. Schwerpunkte der Arbeit der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft sind die Förderung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in den astronomischen Wissensgebieten. Die Astronomische Arbeitsgemeinschaft hat eine langjährige Tradition und Erfahrung in der Wissensvermittlung. Mainzer Amateurastronomen engagieren sich seit 1962 kontinuierlich darin. Auch im nächsten halben Jahrhundert soll Astronomie elementarer Bestandteil des kostenfreien Bildungsangebots in der Landeshauptstadt und in der Umgebung bleiben. Die Bereicherung des ländlichen Raumes mit innovativen Bildungsangeboten an die Bevölkerung unter Einsatz moderner Medien und IT-Technik, halten wir für besonders förderungswürdig.

Bitte untersützen Sie uns mit einer Spende, denn ein Investitionsbedarf von 300.000 Euro steht einer Realisierung des Projektes bisher entgegen. Wenn Sie mehr über das Projekt erfahren möchten, nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf.

Mainz, den 08.05.2014
Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.


Studenten der FH Kaiserslautern bei ihrer Zwischenpräsentation am 02.06.2014

Unsere Projektwebseite entsteht zurzeit im Rahmen eines Wettbewerbs mit Unterstützung der Studenten des zweiten Semesters im Studiengang "Virtual Design" der Fachhochschule Kaiserslautern, unter Leitung von Herrn Prof. Thomas Wagner und Herrn Sebastian Kraus.

Im Sommer 2014 werden wir unter Rheinhessen-Sternwarte.de weitere Projektinformationen bereitstellen.

Hinweis für Pressemitarbeiter: Gerne sind wir dazu bereit, auch im persönlichen Gespräch über das Projekt zu informieren. Sollten Sie Bildmaterial benötigen, so wären wir für Ihre Kontaktaufnahme dankbar. Bei den auf unserer Webseite dargestellten Astrofotografien verfügen wir selbst über die Bildrechte.