Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Juni 2014: Die Sonne

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Die Sonne im Aktivitätsmaximum

von Otmar Nickel

Die Sonne befindet sich zur Zeit in einer relativ aktiven Phase, die Sonnenflecken-Relativzahl ist Anfang 2014 auf Tages-Maxima von über 150 angestiegen. Das Maximum scheint jetzt bereits überschritten zu sein.

Diese Relativzahlen R werden aus der Summe der Anzahl der Fleckengruppen G mal 10 und der Gesamtzahl der Flecken F berechnet: R= 10·G + F. Die Formel wurde 1849 von dem Schweizer Mathematiker und Astronomen Rudolf Wolf entwickelt und ermöglicht es, die Sonnenaktivität seit über 150 Jahren quantitativ zu verfolgen. Die Relativzahlen wurden bis 1979 von der Eidgenössischen Sternwarte in Zürich gesammelt, seit 1980 vom Royal Observatory of Belgium. Die dort ansässige Organisation heißt SIDC (Solar Influences Data Analysis Center).

Aus älteren Aufzeichnungen lassen sich sogar die Relativzahlen bis zur Sonnenbeobachtung durch Galilei rekonstruieren. Es ergibt sich eine 11-jährige Periode der Sonnenaktivität, wobei die Maxima stark schwanken können (siehe Graphik).  So war die Sonne zwischen 1650 und 1700 fast fleckenfrei („Maunder-Minimum“), auch Anfang des 19. Jahrhunderts war die Aktivität schwach („Dalton-Minimum“). Das jetzige Aktivitätsmaximum ist im Vergleich zu früheren Maxima von 1950-2000 wieder relativ niedrig. Es ist daher möglich, dass sich die Sonnenaktivität in den nächsten Jahren noch weiter abschwächt, evtl. sogar bis zu einem Verschwinden der Flecken für einige Jahre.

Sonnenflecken-Relativzahlen von 1610 bis 2010 (Wikimedia Commons)

Zur Zeit jedoch können wir noch viele Sonnenflecken beobachten, wie auf dem Bild vom 19. Mai zu sehen. Zusätzlich können wir die Aktivitäten in der oberen Sonnenatmosphäre, der „Chromosphäre“ mit unserem H-Alpha-Sonnenteleskop beobachten. Ebenfalls am 19. Mai entstand das hier zu sehende Bild, das helle („Fackeln“) und dunkle („Filamente“) Strukturen zeigt, sowie Gasausbrüche („Protuberanzen“) am Sonnenrand. Wegen der Rotation der Sonne (eine Umdrehung dauert etwa 26 Tage) bewegen sich diese Strukturen im Lauf der Zeit über die Sonnenoberfläche.
 
In den Sommermonaten ist die Sternwarte in Klein-Winternheim an einigen Nachmittagen zur Sonnenbeobachtung geöffnet, zu der alle Interessenten herzlich eingeladen sind.

Sonne im Weißlicht am 19.05.2014 (O. Nickel, Mainz-Ebersheim)
Sonne im H-Alpha-Licht am 19.05.2014 (AAG Mainz)

Sternbild des Monats: Adler

Das Sternbild Adler (Aquila) ist ein Sommersternbild, das mitten in der Sommermilchstraße zu finden ist. Der Hauptstern, Alpha Aql, genannt Atair (oder Altair) ist ein relativ naher Stern, er ist nur 16,7 Lichtjahre von uns entfernt mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,76 Mag. Benachbarte Sternbilder sind nördlich Delphin und Pfeil, im Westen Schlangenträger und Schwanz der Schlange, im Süden Schild (eine helle Milchstraßenwolke) sowie Schütze und Steinbock und im Osten der Wassermann.

Im Adler lassen sich einige, allerdings relativ lichtschwache Sternhaufen beobachten, außerdem Staubwolken, die das Licht der zahlreichen Sterne abschwächen, z.B. Barnard 143, eine Dunkelwolke, die 1,5° nordwestlich von Gamma Aql liegt. Sie kann bereits mit einem Fernglas beobachtet werden. Mit einem Durchmesser von etwa 30 Bogenminuten erscheint sie am Nachthimmel etwa so groß wie der Vollmond.

In der benachbarten Schild-Wolke befindet sich ein schöner Sternhaufen, M11, genannt der Wildenten-Haufen. Er ist auch in unserer Bildergalerie zu sehen.

 

Das Sternbild Adler (cartes du ciel)

Veranstaltungen im Monat Juni

6. Juni 2014 - 20:00 Uhr

Ort: Anne-Frank-Realschule Plus Mainz

Mitgliedertreff

für Mitglieder der AAG und Freunde der Astronomie  

 

8. Juni 2014 - 15:00 Uhr

Ort: Naturhistorisches Museum Mainz

Der Sternenhimmel im Sommer

Vortrag von Dr. Bernhard Schröck (AAG)

 

13. Juni 2014 - 16:00-18:00 Uhr

Ort: Paul Baumann-Sternwarte

Sonnenbeobachtung


27. Juni 2014 - 16:00-18:00 Uhr

Ort: Paul Baumann-Sternwarte

Sonnenbeobachtung