Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Februar 2015 - Jupiter in Opposition

Jupiter am 06.03.2014 (J.-D. Förster)
Verfinsterung von Ganymed durch Kallisto am 18.02.2003 (O. Nickel)
Lichtkurve von Ganymed am 18.02.2014 (O. Nickel)

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Jupiter in Opposition und Schattenspiele seiner Monde

von Dr. Otmar Nickel

Am 6. Februar steht Jupiter im Sternbild Krebs in Opposition. Das bedeutet Sonne, Erde und Jupiter befinden sich in dieser Reihenfolge auf einer gedachten Linie im Sonnensystem. Der riesige Gasplanet ist von der Erde aus dann besonders gut zu beobachten. Er ist jetzt die ganze Nacht als hellstes Objekt (nach Mond und Venus) zu sehen. Schon mit dem Fernglas zeigen sich die vier galileischen Monde und größere Teleskope offenbaren die bunten Wolkenbänder und Wirbel, wie auf unserer Aufnahme aus dem vergangenen Jahr. Doch zur Opposition 2015 lässt sich außerdem ein ganz besonderes Spiel der Jupitermonde beobachten:

Neben den Mondschatten, die sich zu bestimmten Zeiten auf Jupiter zeigen (Abbildung: Mond Europa und sein Schatten) gibt es nämlich auch gegenseitige Bedeckungen und Verfinsterungen eines Mondes durch den Schatten eines anderen Mondes.

Diese Ereignisse sind relativ selten, sie treten nur etwa alle 5-6 Jahre auf, wenn die Sonne genau in der Bahnebene der Monde liegt. 2015 ist dies wieder der Fall. Eine genaue Beobachtung der Zeitpunkte solcher gegenseitiger Verfinsterungen kann wissenschaftlich von großem Interesse sein, da hierdurch die bisher vorliegenden Daten über das Jupitersystem überprüft werden können.

Dazu ist allerdings eine sehr genaue Feststellung z.B. des Zeitpunkts der maximalen Verfinsterung erforderlich, etwa in der Größenordnung von 1 Sekunde. Diese Genauigkeit erreicht man nur durch eine photometrische Bestimmung der Lichtkurve aus Bildserien einer Video- oder CCD-Kamera, die an einem kleinen Teleskop angeschlossen ist.

Sowohl Profi- als auch Amateurastronomen konnten dazu bereits 2003 und 2009 Messergebnisse liefern, die vom französischen Institut für Himmelsmechanik (IMCCE) gesammelt und ausgewertet wurden.

Auch aus Mainz (in der Sternwarte von O. Nickel in Mainz-Ebersheim) konnten 2003 solche Messungen beigesteuert werden. Die Bilder zeigen die Verfinsterung des Mondes Ganymed durch Kallisto am 18.2.2003 sowie eine Helligkeitskurve von Ganymed, die dabei erstellt wurde.

 

Sofern das Wetter es zulässt, können bei uns auch in diesem Jahr wieder solche Ereignisse beobachtet werden, z.B. :

15.02.2015 01:20-01:28 MEZ: Europa verfinstert Io
22.02.2015 03:04-03:11 MEZ: Europa bedeckt Io
04.03.2015 19:11-19:18 MEZ: Europa verfinstert Io
16.03.2015 02:33-02:44 MEZ: Kallisto bedeckt Europa

(Daten aus VdS-Journal 52, 01/2015)


Abb. 1: Das Sternbild Krebs am 6. Februar um 19 Uhr über dem Mainzer Dom aus Sicht vom Gutenbergplatz. Jupiter befindet sich an der linken Schere des Krebses. (Simulation mit Stellarium)
Abb. 2: Sternbild Krebs mit Sternbildhilfslinien (Simulation mit Stellarium)

Sternbild des Monats: Krebs

von Dr. Bernhard Schröck

Das Sternbild Krebs (Abk. Cnc) ist ein unauffälliges Sternbild zwischen den Zwillingen (westlich) und dem Löwen (östlich) (s. Abb. 1). In den Monaten Februar und März steht es gegen Mitternacht fast genau im Meridian, also im Süden. Zur Zeit leuchtet hell der Riesenplanet Jupiter in diesem Sternbild und kann somit als Aufsuchshilfe für dieses lichtschwache Sternbild dienen.  In der Antike (1450 – 15 v. Chr.)  stand die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende in diesem Sternbild, woran heute noch der Begriff „Wendekreis des Krebses“ erinnert.

Im Sternbild (s. Abb. 2) findet man als auffälligstes Objekt den offenen Sternhaufen M 44, auch „Krippe“ oder lat. „Praesepe“ genannt. Flankiert wird dieser Haufen vom „nördlichen Eselchen“ (gamma Cnc oder Asellus borealis) und vom „südlichen Eselchen“ (delta CnC oder Asellus australis).  Der Sage nach wurden die beiden Esel des Dionysos an den Himmel versetzt, als sie bei der Schlacht der Götter gegen die Giganten durch ihr Geschrei zum Sieg der Götter beitrugen.

M44 ist ein leicht zu erkennender mit 600 Millionen Jahre relativ junger offener Sternhaufen in etwa 500 Lichtjahren Entfernung. Damit liegt er weiter entfernt als die beiden „Eselchen" (150 bzw. 180 Lichtjahre).

Ein weiterer offener Sternhaufen in diesem Sternbild ist M 67. Dieser Sternhaufen hat zwei besondere Eigenschaften: erstens liegt er weit außerhalb der galaktischen Ebene und ist mit etwa 4 Milliarden Jahren ungewöhnlich alt.

M44 - Praesepe, Offener Sternhaufen im Krebs (Bild: Dr. Otmar Nickel)
M67 - Offener Sternhaufen im Krebs (Bild: Dr. Otmar Nickel)

Veranstaltungen im Februar 2015

6. Februar 2015 - 20:00 Uhr
Anne-Frank-Realschule Plus
Astrotreff für AAG-Mitglieder und Freunde der Astronomie

8. Februar 2015 - 15:00 Uhr
Naturhistorisches Museum Mainz
Galilei aus seiner Zeit betrachtet - Ein Versuch eines (Astro-)physikers
Vortrag von Dr. Bernd Pfeiffer
Eintrittspreise: 4 € / 3 € (erm.)

13. Februar 2015 - 20:00 Uhr
Ort: Paul Baumann-Sternwarte
Beobachtungsabend

20. Februar 2015 - 20:00 Uhr
Ort: Paul Baumann-Sternwarte
Beobachtungsabend