Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Juli 2015 - Das Sommerdreieck

Deneb, Wega und Atair, Cygnus-Wolke, Cygnus-Spalt, an der linken Seite des Dreiecks die Raute des Delphins, darüber das Sternbild Pfeil, der nach links zeigt. Rechts oberhalb des Sternbilds Pfeil befindet sich der Kleiderbügelhaufen; eine Kette von Sternen, die im Fernglas einen Kleiderbügel erahnen lässt.
Die Position des Kleiderbügelhaufens im Sommerdreieck

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Erkennen Sie das Sommerdreieck?

von Dr. Bernhard Schröck

Haben Sie schon an einem klaren Sommerabend beobachtet, wie nach Sonnenuntergang die ersten Sterne auftauchen? Als erste taucht  - fast im Zenit – die Wega auf, kurze Zeit später, tiefer am Himmel Atair und eine dreiviertel  Stunde, nachdem der uns am nächsten stehende Stern, die Sonne, unter dem Horizont verschwunden ist, tritt der dritte im Bunde, Deneb, hervor und nun kann man das Sommerdreieck in voller Pracht genießen. Es bildet ein auf der Spitze stehendes gleichschenkliges Dreieck.

Das Sommerdreieck ist kein von der IAU festgelegtes Sternbild, sondern ein so genannter Asterismus: ein aus markanten Sternen verschiedener Sternbilder bestehende Figur.

Die als erste in der Dämmerung auftauchende Wega ist nach Sirius und Arktur der dritthellste Stern, der in unseren Breiten zu sehen ist. Sie ist ein relativ junger Hauptreihenstern in 25 Lichtjahren Entfernung mit der 2,7-fachen Sonnenmasse und der 37-fachen Leuchtkraft.  Im Gegensatz zu unserer Sonne rotiert sie sehr schnell mit einer Periode von etwa 12 Stunden, knapp unter der Geschwindigkeit, die sie zerreißen würde. Demzufolge ist sie ein Ellipsoid. Da die Polregionen sich näher am heißen Sterninnern befinden, sind diese Regionen mit 10 000 K um 2400 K heißer als die Äquatorregionen mit 7600 K.

Vor 14 000 Jahren stand Wega – bedingt durch die Präzession der Erdachse – in unmittelbarer Nähe des Himmelsnordpols, war also ein sehr heller „Polarstern“. Unsere Nachkommen werden in etwa 12 000 Jahren in den gleichen Genuss kommen.

Der Stern an der Spitze des Dreiecks, Atair steht uns mit 16,7 Lichtjahren Entfernung recht nahe. Er hat die 1,7-fache Sonnenmasse, leuchtet 11-mal heller als sie und rotiert wie Wega recht schnell. Er erscheint mit einer Helligkeit von 0,75m etwas schwächer als Wega.

Der von uns aus gesehene leuchtschwächste Stern des Sommerdreieck, Deneb, steht in einer Entfernung von 1550 Lichtjahren, ist aber, gemessen in absoluter Helligkeit (- 7M1) einer der leuchtkräftigsten Sterne  in unserer Galaxis! Stünde er in einer Entfernung wie der von Atair, wäre er fast so hell wie der Vollmond.

Nachdem es richtig dunkel geworden ist, treten die Sternbilder in Sommerdreieck deutlich hervor. Deneb ist der Hauptstern des Schwanes. Mit einiger Phantasie erkennen Sie hier ein Kreuz. Der Längsbalken dieses „Kreuzes des Nordens“ wird von Deneb und – in der Mitte des Sommerdreiecks gelegenen Albireo gebildet. Zwischen beiden, aber viel  näher an Deneb, liegt Sadr (die Brust). Von ihm aus kann man den Querbalken, also die Flügel des Schwanes erkennen. Zwischen Sadr und Albireo sehen Sie die Cygnus-Wolke, eine der sternreichsten Sternregionen der Milchstraße.  Bei dunklem Himmel ist auch der Cygnus-Spalt, eine Zone, in der durch interstellarem Staub und Gas der Blick zu den Sternen getrübt ist, zu erkennen.

M57 - Der Ringnebel in der Leier (Bild: Otmar Nickel)

Recht gut zu sehen sind auch –außer Wega – die restlichen hellen Sterne der Leier: unterhalb von Wega sehen Sie eine Raute aus vier Sternen.  Zwischen Sulafat  (g Lyr) und Sheliak (b Lyr) liegt ein planetarischer Nebel, der Ringnebel (M 57). Sheliak selber gehört zu einer Klasse bedeckungsveränderlicher Sterne.

Schon mit dem  Fernglas erkennen Sie, dass e Lyr doppelt erscheint, im Teleskop zeigt sich die volle Schönheit dieses Vierfachsystems.

Mit zunehmender Dunkelheit des Himmels erkennt man bei Atair drei Sterne in einer Linie. Unterhalb von ihm findet man Alshain (b Aql),  oberhalb Tarazed (g Aql). Die restlichen Sterne dieses Sternbildes sind etwas schwieriger zu erkennen.

Eine nette Geschichte über die zwei  Sterne des Sommerdreiecks, Wega und Atair ist der Grund für ein japanisches Volksfest, Tanabata, das- mit Ausnahmen-  am 7. Juli gefeiert wird:

Orihime  (Wega) war eine fleißige Weberin. Sie verliebte sich in den Rinderhirten Hikoboshi  (Atair). Bei vergaßen darüber ihre Arbeit, so dass sie auf die verschiedenen Seiten der Milchstraße verbannt wurden. Nur einmal im Jahr, am 7. Juli, eben an Tanabata,  treffen sie sich. Der Stern Deneb steht in einer Version für eine Elster, die an diesem Tag eine Brücke über den Cygnus-Spalt  baut, in einer anderen für eine Anstandsdame, die ein Näherkommen der beiden verhindert.

Bildquelle: www.stellarium.org/de/


Die Große Magellan'sche Wolke (Bild: Sebastian Bothe)

Astronomie in Namibia

ein Reisebericht von Sebastian Bothe

Die Magellansche Wolke knapp über den Baumwipfeln, dann das Kreuz des Südens, der Kohlensack, die südlichen Plejaden, der Skorpion: Schon mit bloßem Auge ist das Panorama beeindruckend am namibischen Nachthimmel. Auch wer mit Astronomie sonst nicht viel am Hut hat, staunt über den Anblick der Milchstraße, die sich vor dem dunklen Himmel so klar zeigt, wie man es aus Europa kaum kennt. Für drei Hobbyastronomen aus dem Odenwald – Adrian van de Roemer, Graf Franz zu Erbach-Erbach und Sebastian Bothe – ist damit gar ein Traum in Erfüllung gegangen.

Im April traten wir die Reise nach Namibia an –  mit 40 Kilo Astroausrüstung im Gepäck. Die Vorbereitung dauerten Monate und einige Euros bis wir die richtige Ausrüstung für unsere Zwecke zusammen hatten. Am Ende waren im Gepäck für die Fotografie: eine Skywachter EQ-5 Skyscan, ein 6“ Zoll-Newton mit 0,73 ASA-Reducer/Korrektor, eine Autoguiderausrüctung und jeweils eine modifizierte Canon 1000d und 1200d. Zum visuellen Beobachten hatten wir noch ein C-5 auf einer kleinen Einarmmontierung dabei.

Gästefarm Wildacker (Bild: Sebastian Bothe)

Nachdem wir in Windhuk gelandet waren ging die Reise erst einmal zwei Tage in die Etosha-Pfanne. Danach war die Gästefarm Wildacker im Norden Namibias, zwischen Grootfontein und Rundu, nahe der Grenze zu Angola unser Ziel. Eine Astrofarm wie die berühmte Tivoli Farm im Zentrum des Landes ist Wildacker nicht. Auf dem Anwesen mit sechs Bungalows machen sonst Jäger und Fototouristen Urlaub. Dennoch war der Farmverwalter angetan von der Astronomie und organsierte gleich den besten Platz inmitten der Buschlandschaft für unser Equipment. Strom kam dank des Verlängerungskabels aus einem zu dieser Zeit nicht bewohnten Bungalow.

Zunächst musste die Montierung am Südpol ausgerichtet werden. Für den Nordhemisphärenastronomen ist das eine ganz neue Herausforderung. Dabei hatten wir mehr Glück als Verstand: Schon beim ersten Versuch schaute die Montierung fast genau auf den Südpol. Eine Zitterpartie war außerdem die Nachführung, weil der Himmelspol im Norden Namibias sehr tief bei 18 Grad liegt. Ob die dadurch größere mechanische Belastung einer sauberen Nachführung im Weg stand, konnten wir in der Heimat nicht abschätzen. Schließlich zeigte sich aber, dass es ohne Probleme funktionierte und auf unseren Aufnahmen zeigten sich schöne kreisrunde Sterne.

Der Carinanebel (Bild:Sebastian Bothe)
Omega Centauri (Bild:Sebastian Bothe)

Welche Objekte des Südhimmels wir unbedingt vor die Linse bringen wollten, hatten wir zuvor genau überlegt – ein empfehlenswerte Vorgehensweise, da die Zeit dann doch schnell knapp wird. Die sechs Astro-Nächte begannen wir mit dem Eta-Carina-Nebel, der schon durch das Fernglas beeindruckend war.  Auch Omega Zentau fotografierten wir und genossen den atemberaumbenden Anblick dieses Objekts im Feldstecher und im C5. Den größten Kugelsternhaufen der Milchstraße kann man ohne Probleme auch mit bloßem Auge sehen. Kurz nach der Dämmerung stand die Große Magellansche Wolcke gerade noch so hoch, das wir den Tarantel-Nebel, wie auch unsere Nachbargalaxie fotografieren konnten. Kurz nach Mitternacht stand dann der Schütze so hoch, dass wir den Lagunennebel, wie auch den Trifidnebel fotografieren konnten. Es ist ein beeindruckender Anblick, wenn das Zentrum der Milchstraße über einem steht im Zenit steht und man sich mit seinem Feldstecher in den aber Millionen von Sternen verliert. Natürlich bekamen wir auch immer wieder „interessierten“ Besuch mitten in der Nacht. Immer wieder kamen Impalas und andere Gazellenarten in unsere nähe, nur der Besuch einer Hyäne war dann doch nicht so angenehm.

Auch als Astro-Austrüstung schon längst wieder gut verstaut in den Koffern war, spielte Himmlisches übrigens noch eine Rolle: Der Hoba-Meteorit, der vor 80.000 Jahren in Namibias Steppe donnerte, war uns eine Raststätte auf der Rückfahrt nach Windhuk. Von dort ging es dann müde und mit etwas Wehmut wieder zurück nach Frankfurt.

Tarantelnebel (Bild: Sebastian Bothe)
Lagungen- und Trifidnebel (Bild: Sebastian Bothe)
Kohlensack (Bild: Sebastian Bothe)
Hoba-Meteorit (Bild: Sebastian Bothe)

Veranstaltungen im Juli 2015

3. Juli 2015 - 20:00 Uhr
Anne-Frank Realschule Mainz,
Petersplatz 2, 55116 Mainz
Astrotreff für AAG-Mitglieder und Freunde der Astronomie

10. Juli 2015 - 16:00-18:00 Uhr
Ort: Paul Baumann-Sternwarte
Sonnenbeobachtung

24. Juli 2015 - 16:00-18:00 Uhr
Ort: Paul Baumann-Sternwarte
Sonnenbeobachtung

26. Juli 2015 - 15:00 Uhr
Ort: Naturhistorisches Museum Mainz
Die Raumsonde New Horizons
Vortrag von Dr. Rainer Riemann (Astrophysiker)
Eintrittspreise: 4 € / 3 € (erm.)