Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Oktober 2015 - Aldebaran-Bedeckung

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Aldebaran-Bedeckung durch den Mond

Von Dr. Bernhard Schröck

Seit alters her wird die Himmelsgegend zwischen Plejaden im Norden und den Hyaden mit Aldebaran im Süden als Goldenes Tor der Ekliptik bezeichnet. Mitten durch dieses Tor ziehen im Jahreslauf die Sonne und die Planeten. Nur der Mond tanzt aus der Reihe: da seine Bahn gegenüber der scheinbaren Sonnenbahn um etwa 5,2° geneigt ist, kann sein Abstand zur Ekliptik um diesen Betrag variieren. Liegt der Punkt seines  größten Abstandes von der Ekliptik im Sternbild Stier, so kann er den südlichen (Aldebaran) oder den nördlichen „Torpfosten“ (Plejaden) streifen  oder sogar  Aldebaran oder Plejadensterne bedecken.
 Die Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ekliptik bezeichnet man als Knoten. Diese Knoten bewegen sich vor dem Sternenhimmel  im Laufe der Zeit von Osten nach Westen und so wandert auch der Ort, an dem der Mond seinen größten Abstand von der Ekliptik erreicht (Präzession der Mondbahn).  Nach etwa 18,6 Jahren ist wieder der Ausgangspunkt erreicht.
 Zur Zeit wandert die Stelle, an der der Mond seinen größten südlichen Abstand von der Ekliptik hat, durch das Sternbild Stier und es kommt zu einer Serie von Aldebaranbedeckungen.

Die aktuelle Bedeckungsserie begann am 29. Januar 2015 und endet am 3. September 2018. Insgesamt kommt es zu 49 Bedeckungen.

Anfänglich zog der Mond nördlich am Stern vorbei.
Nach jeweils etwa  27,3 Tagen (siderischer Monat) wird die Passage des Mondes am Aldebaran enger.
Mit jedem siderischen Monat werden die Bedeckungen zentraler.
Dann geht es wieder zurück:
Am Ende der Serie kommt es wieder zu Bedeckungen am südlichen Mondrand.
Nach der Serie zieht der Mond dann nördlich an dem Stern vorbei.

Es vergeht rund die Hälfte der 18,6 Jahre, bis es dann zu einer Bedeckungsserie am anderen Pfosten  (Plejaden) des Goldenes Tores kommt. Diese beginnt im Jahre 2024.

Danach wandert der Mond wieder zurück und nach etwa 18,6 Jahren kommt
er wieder an Aldebaran vorbei.

Leider sind bei uns nicht alle Bedeckungen sichtbar:

Der Mond zieht, von jedem Punkt auf der Erde aus betrachtet, in einer anderen Bahn über den Himmel.  Einige  Hundert Kilometer geben schon einen merklichen Unterschied in der Bahn des Mondes vor dem Hintergrund der Sterne ergeben und so kann man eine Sternbedeckung genauso wie eine Sonnenfinsternis nur an bestimmten Orten sehen, die erste Aldebaranbedeckung der Serie am 29. Januar 2015 nur in Kanada.
Bedeckt der Mond etwa von Mainz aus betrachtet Aldebaran, dann ist von beispielsweise von Namibia aus keine Bedeckung zu beobachten, der Mond zieht nördlich an ihm vorbei. Findet eine Bedeckung in Namibia statt, zieht der Mond von Mainz aus gesehen südlich an ihm vorbei.
Dies bedeutet, dass nur ganz wenige Bedeckungen einer Serie auch wirklich von einem bestimmten Ort aus zu sehen sind. Ferner stehen etwa in der Hälfte der Fälle Mond und Aldebaran  unter dem Horizont oder am Taghimmel.
Schön zu sehen sind die Bedeckungen in diesem Jahr:

Am 29. Oktober (Abb.1, Blick nach Osten mit Capella und Plejaden):
Bedeckungsanfang 22h49, Mondhöhe 34°
Bedeckungsende     23h54, Mondhöhe 44°

Am 23. Dezember (Abb. 2, Blick nach Osten mit aufgehendem Orion):
Bedeckungsanfang 19h12, Mondhöhe 34°
Bedeckungsende     20h18, Mondhöhe 44°



In den Abbildungen zeigt die obere rote Linie die Ekliptik, die untere die Mondbahn

Abb. 1
Abb. 2

Kalender 2016

Unser neuer Kalender für 2016 mit Bildern von AAG-Mitgliedern ist fertiggestellt.
Weitere Info hier:

http://rheinhessen-sternwarte.de/special/kalender.html

 


Termine im Oktober 2015

09. Oktober 2015 - 19:30 Uhr
Ort: Paul Baumann-Sternwarte
Beobachtungsabend

23. Oktober 2015 - 19:00 Uhr
Ort: Paul Baumann-Sternwarte
Beobachtungsabend