Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter November 2015 - Namen und Bezeichnungen der Sterne

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Die Namen der Sterne und ihre Bezeichnungen

von Ismail Carkaci

Allen Hobbyastronomen sind Begriffe wie Aldebaran, Adhara, Fomalhaut oder Beteigeuze wohl bekannt. Das sind die Namen der hellsten Sterne von einigen Sternbildern. Die meisten hellen Sterne haben traditionell überlieferte arabische Namen. Diese wurden ab dem Jahr 1115 teilweise latinisiert wie bei Fomalhaut original arabisch fam al-ḥūt (Maul des Wals); Algol arabisch al-ġūl (der Dämon); Beteigeuze arabisch yad al-ǧauzā (Hand der Riesin).

Die ersten Sterne wurden bereits 3000 v.Chr. von den Sumerern benannt. Diese Namen wurden von den Griechen übernommen. Die Araber übersetzten ca. 800 n. Chr. diese Namen aus dem griechischen ins arabische und benannten Sterne neu. Es gibt aber auch einige Sterne nur mit lateinischen Namen, wie Polaris oder Regulus.

Bayer Bezeichnung:

Bayer Bezeichnung nennt man in der Astronomie die systematische Benennung von Sternen. Sie wurde 1603 von dem deutschen Astronomen Johann Bayer in seinem Sternatlas „Uranometria“ für viele mit bloßem Auge sichtbaren helleren Sterne verwendet. Die Bayer Bezeichnung besteht aus einem griechischen Buchstaben,

α Alpha η Eta ν Ny τ Tau
β Beta θ Theta ξ Xi υ Ypsilon
γ Gamma ι Iota ο Omikron φ Phi
δ Delta κ Kappa π Pi χ Chi
ε Epsilon λ Lambda ρ Rho ψ Psi
ζ Zeta μ My σ Sigma ω Omega

gefolgt vom Genitiv des lateinischen Namens des Sternbilds, in dem der Stern liegt, z. B. γ Orionis (Gamma Orionis, γOri) oder α Canis Majoris (Alpha Canis Majoris, αCMa für Sirius). In den meisten Sternbildern wird der von uns aus gesehene hellste Stern mit α (alpha) bezeichnet, der nächsthellste mit β (beta) usw. Abweichend hiervon gibt es eine Anzahl von Sternbildern, bei denen diese Reihenfolge nicht eingehalten wird. So tragen beispielsweise die hellsten Sterne im Sternbild Sagittarius (Schütze) - abgekürzt: Sgr - die Bezeichnungen ε Sgr, σ Sgr, ζ Sgr und δ Sgr, während α Sgr und β Sgr dagegen schon relativ schwach am Himmel erscheinen.

Nach Bayer-Bezeichnung werden bei Doppelsternen hochgestellte Ziffern zur Unterscheidung der einzelnen Sterne angewendet. Im Jahr 1928 wurden die Grenzen aller Sternbilder durch die Internationale Astronomische Union (IAU) verbindlich festgelegt. Dies führte bei einer Anzahl von Sternen zu einem Wechsel der Zugehörigkeit und somit auch zu einer neuen Bayer Bezeichnung.

Flamsteed-Bezeichnung:

Ist für ein Stern keine Bayer-Bezeichnung vorhanden, benutzt man die Flamsteed-Bezeichnung. Diese Bezeichnung wurde vom britischen Astronomen John Flamsteed erstellt und 1712 erstmals ohne seine Erlaubnis veröffentlicht. Flamsteed Bezeichnungen besitzen keine Sterne des südlichen Sternenhimmels, da Flamsteed nur Beobachtungen aus dem Gebiet Großbritanniens vornahm.

Die Bezeichnung besteht aus einer Nummer, gefolgt vom Genetiv des lateinischen Sternbildnamens, z.B. 21 Scorpii (21 Sco) oder 48 Ursae Majoris (48 UMa). Innerhalb eines Sternbildes werden die mit bloßem Auge sichtbaren Sterne nach steigender Rektaszension geordnet und nummeriert. Auch hier kam es durch die verbindliche Festlegung 1928 von Sternbildgrenzen durch die IAU zu Veränderungen in den Flamsteed-Bezeichnungen

Sternkataloge:

Durch die Verbesserung der Teleskope und die Einführung der Himmelsfotografie kannte man schon im Jahr 1850 mehr als 300.000 Sterne. Daher reichten die Bayer- und die Flamsteed-Bezeichnungen nicht aus. Es wurden Sternkataloge zur systematischen Bezeichnung der Sterne erstellt. Diese bestehen aus dem abgekürzten Namen des Sternkatalogs und einer Nummer, z.B. BD xxx oder HD xxx . Es existieren zur Zeit mehr als 100 Sternkataloge. Hier einige Beispiele mit besonderer Bedeutung.

Katalog Abk. Jahr Anzahl Sterne
Bonner Durchmusterung BD 1859 324.200
Südliche Durchmusterung SD 1886 134.000
Cordoba Durchmusterung CD 1892 578.000
Henry-Draper Katalog HD 1918-1924 225.300
Henry-Draper Ergänzung HDE 1949 359.083
Katalog des Smithonian Astrophys. Observatory SAO 1965-heute 258.997
Bright Star Katalog HR 1930-heute 9110
Hubble Guide Star Katalog (V.1) GSC-1 1989 20.000.000
Hipparcos Katalog HIP 1997 118.218
Tycho Katalog TYC 2000 1.058.322
Tycho 2 Katalog TYC2 2000 2.539.913
USNO CCD Astrograph Catalog (V.4) UCAC4 2012 113.000.000

Seit dem Jahr 2014 läuft die „Gaia“ Durchmusterung mittels der im Weltraum stationierten Sonde Gaia. Sie soll binnen 3 Jahren ca. 1 Milliarde Sterne erfassen.

Einige kommerzielle Unternehmen und Einrichtungen (auch Volkssternwarten) bieten gegen Gebühr Dienste an, Sterne nach Personen zu benennen. Solche ''Namen'' besitzen jedoch keinerlei formale oder offizielle Gültigkeit. Siehe hierzu den Artikel "Benennung von Sternen" in unseren Astronomischen Themen.


Sternbild Fische - Pisces

von Jörg Schuster

Die Fische (lateinisch Pisces, astronomisches Zeichen: ♓ ) sind ein Sternbild, durch das die scheinbare Bahn der Sonne, die Ekliptik, verläuft. Sonne, Mond und Planeten wandern durch dieses Sternbild. Die Sonne hält sich derzeit vom 12. März bis zum 19. April eines jeden Jahres im Sternbild Fische auf.

Die Ekliptik kreuzt in den Fischen den Himmelsäquator. Dieser Kreuzungspunkt, der Frühlingspunkt, ist der Ursprung der wichtigsten astronomischen Koordinatensysteme am Sternenhimmel. Der Zeitpunkt zu dem die Sonne den Himmelsäquator überquert, entspricht dem astronomischen Frühlingsanfang auf der Nordhalbkugel. Im Jahre 2597 wird dieser Punkt, heutige Sternbildgrenzen vorausgesetzt, in das Sternbild Wassermann wandern.

Geschichte:
Die Fische gehören zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Ptolemäus beschrieben wurden. Das Sternbild war Namensgeber für das Tierkreiszeichen Fische der Astrologie. Allerdings hat sich der Durchgang der Sonne aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse gegenüber der Antike verändert.

Im Jahre 7 v. Chr. kam es in den Fischen zu einer seltenen dreifachen Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn (Größte Konjunktion). Das heißt, die beiden Planeten begegneten sich drei Mal im Laufe eines Jahres. Konjunktionen zwischen Jupiter und Saturn treten zwar rund alle 20 Jahre auf, jedoch sind die wenigsten gleich dreifach mit derart geringem Winkelabstand, dass beide fast wie ein einziger Stern aussehen. Dies ist nur alle 854 Jahre zu sehen und stellte somit für babylonische Astronomen ein Jahrtausendereignis dar. Damals konnten die Planeten Jupiter mit Saturn und später dann Venus mit Mars alle in einer Reihe im Sternbild Pisces ( Fische ) beobachtet werden. Diese beiden Tatsachen gaben zu Hypothesen Anlass, dass jene Jupiter-Saturn-Konjunktion als der Stern von Betlehem in die Geschichte und christliche Glaubenswelt einging. So waren Fischabbildungen in der Antike auch ein heimliches Erkennungszeichen der Christen untereinander. Bis heute ist der tatsächliche Sachverhalt jedoch ungeklärt, auch rein symbolische Deutungen oder Kometen wurden als Grundlage der Dreikönigsgeschichte vorgeschlagen.

Mythologie:
Die Babylonier brachten das Sternbild mit der Liebesgöttin Ischtar in Verbindung.

Die antiken Griechen übernahmen diese Deutung offensichtlich später. In ihrer Mythologie stellen die Fische die Liebesgöttin Aphrodite und ihren Sohn Eros dar, die auf der Flucht vor dem Ungeheuer Typhon in den Euphrat sprangen, sich in Fische verwandelten und entkamen.

Die Römer haben die Fische oft als Imbrifer Duo Pisces, als die beiden regenbringenden Fische bezeichnet, oder auch als Gemini Pisces und Piscis Gemellus, also als Fischpaar.

Sterne:
Kullat Nunu ist der babylonische Eigenname des Sterns Eta Piscium. Kullat Nunu hat eine scheinbare Helligkeit von +3,62 mag und gehört der Spektralklasse G7IIIa an. Kullat Nunu ist von der Erde 294 Lichtjahre entfernt und hat einen Durchmesser, der 26 mal größer als der der Sonne ist.

Fum as-Samaka ( arabisch فم السمكة, DMG Fum as-Samaka ‚Maul des Fisches‘; nach englischer Umschrift Fum al Samakah, vgl. Fomalhaut ) ist der Name des Sterns β ( beta ) Piscium im Sternbild Fische.

Fum as-Samaka gehört der Spektralklasse B6Ve an und besitzt eine scheinbare Helligkeit von ca. +4,5m. Fum as-Samaka ist ca. 410 Lichtjahre entfernt.

ο Piscium ( Omikron Piscium ) ist ein Stern im Sternbild Fische. Er gehört der Spektralklasse K0 III an, besitzt eine scheinbare Helligkeit von 4,3 mag und ist ca. 280 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Als ekliptiknaher Stern kann Omikron Piscium vom Mond und sehr selten von Planeten bedeckt werden.

Omikron Piscium trägt den historischen Eigennamen Torcularis Septentrionalis (lat. „(von) der nördlichen Weinpresse“).

Mehrfachsterne:
Alrischa ( arabisch الرِشا‎ ar-Rischā ‚das Seil‘ ), auch bekannt als α Piscium ( Alpha Piscium ), ist ein Doppelstern im Sternbild Fische. Der Hauptstern hat eine Helligkeit von +4,33 mag und besitzt den Spektraltyp A0pSiSr, während der Begleiter eine Helligkeit von +5,23 mag hat und der Spektralklasse A3m angehört. Seine Entfernung beträgt etwa 140 Lichtjahre.

Zeta Piscium ( Zeta Psc, ζ Piscium, ζ PSC ) ist ein optisches und spektroskopisches Doppelsternsystem, mit drei Komponenten - Zeta Piscium A, B und Zeta Piscium C. Piscium B und C sind spektroskopische Binärsterne mit einander, und beide sind wiederum nur optische Doppelsterne mit Zeta Piscium A. Die Trennung zwischen Zeta Piscium A und die B und C-Systems beträgt 23 Bogensekunden.

  • Zeta Piscium A, auch als HR-361 bekannt ist, die hellste optische Komponente, mit einer scheinbaren Helligkeit von 5,21 und absoluten Helle von 1,93. Zeta Piscium A ist ein Unterriesen mit Spektralklasse von A7 IV mit 1,8 Sonnenmassen und effektiver Temperatur von 7900K. Zeta Piscium A ist von der Sonne etwa 147,5 Lichtjahre entfernt.

  • Zeta Piscium B, die auch als HR 362 bekannt ist, ist ein F7 V Zwerg mit effektiven Temperatur von 6400K und 1.3 Sonnenmassen. Er hat eine scheinbare Helligkeit von 6.44 und absolute Helle von 2,55. Er befindet sich 195,2 Lichtjahre von der Sonne entfernt.

  • Zeta Piscium C ist ein Weißer Zwerg. Er begleitet Zeta Piscium B und umläuft mit diesem einen gemeinsamen Schwerpunkt.

Veränderliche Sterne:

47 Piscium ist ein 400 Lichtjahre entfernter halbregelmäßig Veränderlicher, der seine Helligkeit über einen Zeitraum von etwa 50 bis 85 Tagen verändert. Er ist ein rötlicher Stern der Spektralklasse M3 III.

19 Piscium ist ein Roter Riese der Spektralklasse C5 II in 2.000 Lichtjahren Entfernung. Er besitzt den 700fachen Durchmesser unserer Sonne und ist einer der größten bekannten Sterne. Seine Helligkeit ändert sich ohne erkennbare Regelmäßigkeit, da er dabei immer Teile seiner äußeren Sternhülle abstößt.

Deep Sky:

M 74 ist eine Galaxie in ca. 30 Millionen Lichtjahren Entfernung. Man findet sie westlich des hellen Sterns η Piscium. Sie ist nicht leicht zu beobachten und erscheint unter günstigen Sichtbedingungen im Prismenfernglas als sehr diffuses nebliges Fleckchen. Spiralstrukturen werden erst in großen Teleskopen erkennbar.

In M 74 wurden im 21. Jahrhundert drei Supernovae beobachtet. Ein Bild von M74 sowie von der Supernova 2013ej ist auch auf unseren Webseiten zu finden:
www.astronomie-mainz.de/site/index.php