Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Dezember 2015: Die 110 Messier-Objekte

Charles Messier (um 1770)

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Die 110 Messier-Objekte

von Dr. Otmar Nickel

Auf unseren Webseiten (unter Galerie/ Messier-Objekte) sind jetzt Bilder sämtlicher 110 Messier-Objekte zu sehen. Alle Aufnahmen wurden von Mitgliedern der AAG Mainz fotografiert.

Der Astronom Charles Messier (1730-1815) wirkte unter anderem als Astronom der französischen Marine und später im Bureau des Longitudes, und gilt als Entdecker von 20 Kometen. Im Rahmen seiner Suche nach Kometen entdeckte er auch eine größere Zahl von Himmelsobjekten, z.B. Sternhaufen und Galaxien. Da diese Objekte leicht mit Kometen verwechselt werden konnten, erstellte er, um sich die Kometensuche zu vereinfachen, einen Katalog von zunächst 45 Objekten mit zugehörigen Himmelskoordinaten, der 1771 veröffentlicht und nach ihm "Messier-Katalog" benannt wurde. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Pierre Mechain, der ebenfalls zahlreiche Objekte entdeckte, konnte der Katalog im Jahr 1780 auf 70 Objekte erweitert werden. Bis 1782 wurden weitere Objekte entdeckt, die letzte Fassung des Katalogs wurde 1784 mit 103 Objekten veröffentlicht.

Von 1782 an suchte der deutsch-britische Astronom Friedrich-Wilhelm (William) Herschel gezielt nach weiteren Objekten dieser Art (bis 1802). Mit seinem überlegenen Gerät stellte er bald fest, dass er mehrere der „Nebel“ in Einzelsterne auflösen konnte. Er erstellte daraufhin zusammen mit seiner Schwester Caroline einen Katalog, den "Herschel-Katalog" mit 2500 nebligen Objekten, der heute jedoch keine Bedeutung mehr besitzt, da sowohl seine als auch fast alle Messier-Objekte in den "New General Catalog" (NGC) aufgenommen wurden, der von Johann Ludwig Emil Dreyer 1888 veröffentlicht wurde und nun 7840 Objekte enthielt.

Der Messier-Katalog umfasst heute 110 Objekte; M104 bis M110 wurden von Messier bzw. Mechain entdeckt, jedoch nicht mehr in einer Katalogversion veröffentlicht. Diese Objekte wurden erst nachträglich, zwischen 1921 und 1966 dem Messier-Katalog zugerechnet, mit der Begründung, sie hätten mit großer Wahrscheinlichkeit Eingang in die geplante, aber nie veröffentlichte vierte Version von Messiers Katalog gefunden.

Zum Zeitpunkt der Erstellung des ursprünglichen Messier-Kataloges war die Natur der meisten dort verzeichneten Nebel-Objekte unklar. Erst ein Jahrhundert später wußte man z.B., dass es sich bei den spiralförmigen Objekten um ganze Sternsysteme (Galaxien) handelt.
Unter Amateurastronomen und in Volkssternwarten ist der Messier-Katalog insbesondere beliebt, da die darin aufgeführten Objekte bereits mit relativ kleinen Teleskopen oder starken Ferngläsern beobachtet werden können.
 
Die Bilder auf unseren Webseiten entstanden im Zeitraum von 1999-2015, man kann das auch an der Bildqualität ersehen, die sich im Lauf der Zeit entsprechend der den Amateuren verfügbaren Technik immer weiter verbessert hat. Die Bilder sind in Mainz-Ebersheim, in der Sternwarte in Klein-Winternheim sowie in der Astrofarm Tivoli in Namibia aufgenommen worden.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Messier-Katalog
https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Messier
http://messier.seds.org/


Die Geminiden-Sternschnuppen

von Dr. Bernhard Schröck

Am 14. Dezember kommt es zu einem besonderen astronomischen Ereignis: etwa um 19 Uhr erreicht der Meteorstrom der Geminiden sein Maximum. Da an diesem Tag in Mainz die schmale Mondsichel schon um 19:55 Uhr untergeht, wird dadurch die Beobachtung nicht gestört. Dunkel ist es auf jeden Fall, Sonnenuntergang ist schon um 16:25 Uhr und deshalb sehen wir – bei optimalen Bedingungen - bis zu 100 helle Meteore pro Stunde, die relativ langsam über den Himmel fliegen und alle von einem Punkt am Himmel zu kommen scheinen. Dieser Punkt liegt im Sternbild Zwillinge (Gemini) und so kommt dieser  Meteorstrom zu seinem Namen.


Der Meteorstrom der Geminiden ist der stärkste des Jahres, wesentlich stärker als die Perseiden im August oder die Leoniden im November. Zu sehen sind die Geminiden vom 7. bis zum 17. Dezember, nach dem Maximum am 14. Dezember um 19 Uhr nimmt die Aktivität recht schnell ab, die hellsten Meteore erscheinen aber erst kurz  nach diesem Maximum.
Im Vergleich zu den anderen Sternschnuppenströmen (Perseiden seit 2000 Jahren beobachtet, Leoniden seit dem Frühmittelalter) sind die Geminiden recht jung: erst seit 1862 wurden sie bemerkt und seitdem stieg die Aktivität kontinuierlich an.  Allerdings wird uns dieser Strom nicht sehr  lange erhalten bleiben: der Schnittpunkt der Bahn der Teilchen mit der Erdbahnebene lag  im Jahre 1900 0,02 AE innerhalb der Erdbahn, im Jahre 2100 wird er 0,10 AE außerhalb der Erdbahn liegen, so dass in nicht allzu ferner Zukunft der Strom nicht mehr sichtbar sein wird.


Der Ursprung der Meteore bleibt immer noch rätselhaft: Im Gegensatz zu den Perseiden bzw. Leoniden wurde kein Mutterkomet gefunden. Als Ursprung wird heute der Asteroid 3200, Phaeton, der 1983 entdeckt wurde, angenommen.  Phaeton mit  einem Durchmesser von 5,1 km und einen minimalen Sonnenabstand (Perihel) von 0,14 AE und einem maximalen von 2,4 AE (Aphel)  hat, wird zu den Apollo-Asteroiden gerechnet. Während seines Perihels in den Jahren 2009 und 2012 wurde mit der NASA-Sonde STEREO-A ein Schweif mit einer Länge von etwa 6 Bogenminuten entdeckt. Berechnungen zeigten, dass der Staub dieses Schweifes  nur zu etwa 0.01% zum Teilchenstrom der Geminiden beiträgt.  


Vor kurzem wurden zwei weitere Asteroiden entdeckt, die einen Zusammenhang mit dem Teilchenstrom im Weltall haben könnten: Asteroid 1999 YC (Durchmesser 1,4 km) und 2005 DU. Beide haben eine ähnliche Umlaufbahn und ähnliche Spektren wie Phaeton, so dass sie dem „Phaeton-Geminid-Complex“ zugeordnet werden. Deren Staubproduktion ist aber auch gering.
Eine Theorie sagt, dass bei einem Zusammenstoß eines Körpers mit dem Asteroiden Pallas (Durchmesser 546 km) Phaeton und vielleicht auch die genannten kleineren Asteroiden abgesprengt wurden und dass die Ursache der sichtbaren Sternschnuppen die damals freigesetzten kleinen Partikel seien.


Wie dem auch sei, viel Spaß beim Beobachten! Zunächst: ziehen Sie sich warm an!  Da die Sternschnuppen über den ganzen Himmel rasen sollte man nicht so sehr auf den Radianten, also dahin wo die Sternschnuppen herzukommen scheinen, blicken, sondern (vielleicht auf einer Liege) zum Zenit schauen. Da auch viele schwächer leuchtende Meteore unterwegs sind, sollte man sich etwa 30 min an die Dunkelheit gewöhnen.
Hoffen wir auf klaren Himmel!


Lit.:
www.leoniden.net/geminiden.htm

Zum Phaeton-Geminiden-Komplex:
Asteroid (3200) Phaeton and the Geminid meteorid stream complex, Ryabova, Avdyushev, Koschny, Williams, conference abstracts der Tagung “Asteroids, Comets, Meteors”, Helsinki 2014, S. 481