Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Februar 2016

Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne (schematisch)

Link zum Mailnewsletter

2016 - Ein Schaltjahr

von Dr. Bernhard Schröck

In  diesem Jahr ist es wieder einmal soweit: wir haben einen 29. Februar, also einen Schalttag.
Warum benötigen wir in regelmäßigen Abständen solch einen Schalttag?
Unser normales Kalenderjahr hat 365 Tage. Das tropische Jahr, also die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt, dem Schnittpunkt zwischen der Ekliptik (Erdbahnebene) und dem Himmelsäquator (Erdäquator an den Himmel projiziert) dauert aber durchschnittlich etwa 365,2422 Tage. Dieser Durchgang („Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche“, „Frühlingsanfang“) findet nach jedem Kalenderjahr also immer etwas später statt.

Um sich dies klar zu machen, nehmen wir die Verhältnisse am Anfang des 20 Jahrhunderts. Wir nehmen an, wir hätten - wie im altägyptischen Kalender - nur Gemeinjahre mit 365 Tagen und keine Schaltjahre mit 366 Tagen. Siehe Spalte "nur Gemeinjahre" in untenstehender Tabelle.

Man sieht, dass der „Frühlingsanfang“ schon nach relativ kurzer Zeit auf ein späteres Kalenderdatum fallen würde. Die tatsächlichen Verhältnisse sind in der rechten Spalte "Gemeinjahre (G = 365 Tage) und Schaltjahre (S = 366 Tage)" dargestellt.

Nur Gemeinjahre

Gemeinjahre und Schaltjahre

Jahr

Frühlingsanfang (MEZ)

Jahr

Frühlingsanfang (MEZ)

1900

1901

1902

1903

1904

1905

1906

1907

1908

1909

1910

1911

1912

1913

1914

1915

1916

1917

1918

1919

1920

21.03. um 02:37

21.03. um 08:22

21.03. um 14:14

21.03. um 20:13

22.03. um 01:56

22.03. um 07:55

22.03. um 13:50

22.03. um 19:31

23.03. um 01:25

23.03. um 07:12

23.03. um 13:02

23.03. um 18:53

24.03. um 00:28

24.03. um 06:17

24.03. um 12:10

24.03. um 17:50

24.03. um 23:45

25.03. um 05:36

25.03. um 11:24

25.03. um 17:17

25.03. um 22:57

 G 1900

 G 1901

 G 1902

 G 1903

 S 1904

 G 1905

 G 1906

 G 1907

 S 1908

 G 1909

 G 1910

 G 1911

 S 1912

 G 1913

 G 1914

 G 1915

 S 1916

 G 1917

 G 1918

 G 1919

 S 1920

21.03. um 02:37

21.03. um 08:22

21.03. um 14:14

21.03. um 20:13

21.03. um  01:56

21.03. um 07:55

21.03. um 13:50

21.03. um 19:31

21.03. um 01:25

21.03. um 07:12

21.03. um 13:02

21.03. um 18:53

21.03. um 00:28

21.03. um 06:17

21.03. um 12:10

21.03. um 17:50

20.03. um 23:45

21.03. um 05:36

21.03. um 11:24

21.03. um 17:17

20.03. um 22:57

 

Einige Frühlingsanfänge zu Beginn des 21. Jhd.

Im Vergleich zu unserem fiktiven Kalender wird durch die Einführung eines Schalttages diese Drift des „Frühlingsanfangs“ zu einem späteren Kalenderdatum kompensiert. Doch leider zuviel des Guten: er wandert sozusagen in die andere Richtung:

Am Anfang des 20. Jahrhunderts fiel der „Frühlingsanfang“ noch oft auf den 21. März, danach wurde der 20. März immer häufiger. Im Jahre 2011 war der "Frühlingsanfang" letztmalig am 21. März. Ab dem Schaltjahr 2048 ist sogar der 19. März dran, danach ist das in jedem Schaltjahr und am Ende des Jahrhunderts auch in anderen Jahren der Fall.

Diese Drift lässt sich grafisch darstellen:

Man sieht, dass durch den Ausfall des Schaltjahres im Jahre 2100 der „Frühlingsanfang“ wieder auf den 21. März rückt.

Mit diesen Angaben kann man das Problem, das zur gregorianischen Kalenderreform geführt hat, nachvollziehen:

Das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) setzte den „Frühlingsanfang“ auf den 21. März.

Da im von Gaius Julius Caesar eingeführten (julianischen) Kalender jedes vierte Jahr ein Schaltjahr ist, driftete der „Frühlingsanfang“ im Kalender immer weiter nach vorn und fiel im 16. Jahrhundert auf den 11. März. Deswegen wurden im Jahre 1582 10 Kalendertage gestrichen, auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582 folgte sofort Freitag, der 15. Oktober 1582 und demzufolge fiel der „Frühlingsanfang“ 1583 wieder auf den 21. März. Um in Zukunft eine größere Vorverlagerung des „Frühlingsanfangs“ im Kalender zu verhindern, wurde in diesem gregorianischen Kalender verfügt, dass im Laufe der Zeit Schaltjahre ausfallen. So sind die vollen Jahrhunderte (z. B. 1900, 2100, 2200 usw.) keine Schaltjahre, es sei denn, sie sind durch 400 ohne Rest teilbar, wie es z. B. im Jahr 2000 der Fall war.

Die nachfolgende Grafik stellt den Fehler des Ägyptischen, Julianischen und Gregorianischen Kalenders in Tagen über einen Zeitraum von 600 Jahren dar. Der Gregorianische Kalender pendelt also um den wahren Wert.

Ägyptischer, Julianischer und Gregorianischer Kalender im Vergleich
Der moderne Kalender überspringt den Schalttag alle 4000 Jahre

(Per Klick vergrößern)

Über große Zeiträume driftet auch der Gregorianische Kalender, daher wird in der modernisierten Fassung alle 4000 Jahre der Schalttag entgegen der Empfehlung des Gregorianischen Kalenders übersprungen. (Abbildung rechts.)

 

Quellen:

Tabelle der „Frühlingsanfänge“: http://www.dasinternet.net/fruehlingsanfang_1900-2100.php

Keller, Himmelsjahr 2000, Monatsthemen:
- März: Das Jahr 2000 und der Gregorianische Kalender,
- Dezember: Astronomische Vorschau auf das 21. Jahrhundert

blogs.mathworks.com/loren/2007/01/26/calendars-and-leap-years/


Sternwarte setzt auf Freifunk

(Klick um zur Netzkarte zu gelangen)

von Jan-David Förster

Seit einigen Wochen ist der erste freie WLAN-Knoten in Klein-Winternheim an der Paul Baumann-Sternwarte im Testbetrieb. Dank der freundlichen Unterstützung durch Florian Altherr und Moritz Veit von Freifunk Mainz e.V., war die Verbindung zum Mainzer Freifunknetz schnell eingerichtet. Die Sternwarte empfängt und sendet nun über eine 6 km lange Richtfunkverbindung Daten mit mit bis zu 300 Mbit/s innerhalb des Freifunknetzes. So können in Zukunft aktuelle Bahndaten von Himmelsobjekten über das Internet bezogen und sogar Live-Bilder aus der Sternwarte gestreamt werden. Eine Wetter- und Meteorkamera ist für die Zukunft geplant.

Natürlich können auch unsere Besucher das Netzwerk nutzen und sich einfach in das offene WLAN einloggen. 

Zugang zum Internet ist heute wichtig als Kommunikations- und Informationskanal. Freifunk Mainz e.V. unterstützt daher gemeinnützige Initiativen und bringt Internet in schlecht angeschlossene Gebiete. Der Verein hat eine WLAN-Infrastruktur in den Flüchtlingsunterkünften Mainz-Layenhof und in der Peter-Jordan-Schule etabliert und stellt den Bewohnern diese kostenfrei zur Verfügung.

Bei Freifunk kann übrigens jeder selbst mitmachen, mit einem Router für ca. 20 Euro. So wächst das Freifunknetz und wird robuster.


Weiterführende Links:
freifunk-mainz.de
wiki.freifunk.net/Mainz
www.facebook.com/FreifunkMainz/


AAG-Mitglied neuer Leiter des Planetariums Freiburg

von Jan-David Förster

Dr. Thomas Presper wird ab 1. Juni 2016 neuer Leiter des Planetariums Freiburg. Der Mainzer Geowissenschaftler ist bereits seit 32 Jahren Mitglied bei der AAG und hat den Verein in der Vergangenheit durch seine Tätigkeit im Vereinsvorstand und durch Vorträge unterstützt. Wir freuen uns und wünschen ihm viel Freude bei der Erfüllung seiner neuen Aufgaben.

Nach seinem Studium von 1984 bis 1990 an der Johannes Gutenberg-Universität und der bereits aus astronomischem Interesse entstandenen Diplomarbeit „Dunkle Matrix im Meteoriten Tieschitz“, folgte von 1990 bis 1993 die Promotion am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz (Abteilung Kosmochemie) und im Naturhistorischen Museum Wien (Mineralogisch-Petrographische Abteilung). In seiner Doktorarbeit widmete sich der Naturwissenschaftler dem Thema „Pauschalzusammensetzung und Mineralchemie von arktischen kosmischen Kügelchen und antarktischen Mikrometeoriten“.

Seit 2000 ist Presper Dozent am Planetarium der Sternwarte Neanderhöhe Hochdahl und dort in leitender Funktion tätig. Dr. Thomas Presper übernimmt sein neues Amt zum 1. Juni 2016 und folgt damit auf Otto Wöhrbach. Dieser hatte seit 1983 das Planetarium erfolgreich geführt und wird Ende Mai in den Ruhestand gehen.


Quellen und weiterführende Links:

www.planetarium-freiburg.de

www.freiburg.de/pb/,Lde/927761.html