Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter März 2016 - Jupiters großer roter Fleck

Jupiter am 6.3.2014 mit GRF und Mond Europa (J.-D. Förster)
HST-Aufnahme des GRF 2015 (NASA)

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Jupiter und sein "Großer Roter Fleck"

von Dr. Otmar Nickel


Am 8. März steht Jupiter in Opposition zur Sonne, er ist jetzt die ganze Nacht über sichtbar. Schon in kleinen Teleskopen kann man Strukturen auf seiner gasförmigen Oberfläche beobachten.

Besonders auffällig ist dabei der große rote Fleck (GRF), der wahrscheinlich bereits 1664 beschrieben wurde. Es handelt sich dabei um einen riesigen Wirbelsturm (Antizyklon) mit einem Durchmesser von 16.000 km. In seinem Inneren herrschen Windgeschwindigkeiten von bis zu 600 km/s. Er rotiert im Gegenuhrzeigersinn, die Wolken in seinem Inneren bewegen sich in etwa 6 Tagen einmal herum.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte der Fleck noch einen maximalen Durchmesser von rund 41.000 km, seit 2012 scheint er besonders stark zu schrumpfen, genauere Messungen wurden an Bildern des Hubble Space Telescope durchgeführt.

Seine markante Farbe ist zwar deutlich röter als die Umgebung, die Farbintensität schwankt jedoch im Lauf der Jahre. Welche chemischen Elemente für die rote Färbung verantwortlich sind, ist unbekannt.

Die Rotationsperiode Jupiters beträgt knapp zehn Stunden, außerdem rotiert er als Gasplanet nicht wie ein starrer Körper. Die Äquatorregionen benötigen 9 h 50 min 30 s und die Polregionen 9 h 55 min 41 s. Die Äquatorregionen werden als System I und die Polregionen als System II bezeichnet. Der große rote Fleck bewegt sich mit dem System II, seine Position dazu verschiebt sich aber innerhalb von Monaten unregelmäßig.

 

Die günstigste Zeit zur Beobachtung des GRF (Meridiandurchgang) kann man sich auf einer Webseite von CalSky (www.calsky.com) für jedes Datum ausgeben lassen. Einige Zeitpunkte im März, die in den Abendstunden liegen:

Datum:            Uhrzeit (MEZ)
09.03.2016 21h06m
11.03.2016 22h45m
16.03.2016 21h52m
18.03.2016 23h30m
21.03.2016 21h00m
23.03.2016 22h38m
26.03.2016 20h08m

 


Sternbild des Monats März: Der Rabe

Abb. 2: Sternbild Rabe - Einzelsterne
Einzelsterne Sternbild Rabe
Abb. 1: Sternbild Rabe
Lage Sternbild Rabe

Das Sternbild Rabe (Corvus, Crv)

von Dr. Bernhard Schröck

Hat man sich an die Dunkelheit gewöhnt, erblickt man südwestlich von Spica, dem hellsten Stern im Sternbild Jungfrau, ein unregelmäßiges Viereck - das Sternbild Rabe. Östlich davon schließt sich das Sternbild „Becher“ (Crt) an; südlich des Raben schlängelt sich die „Wasserschlange“ (Hya) von Osten nach Westen (Abb. 1).

Ende März/Anfang April kulminieren diese drei Sternbilder um Mitternacht, d. h., sie haben ihre höchste Stellung über dem Horizont.

Der Rabe wurde schon von Aratos (310 – 245 v. Chr., Lehrgedicht „Phainomena“) und von Ptolemäus (100 – 160 n. Chr.) beschrieben. Die Sage über Rabe, Becher und Wasserschlange ist bei Ovid zu finden (Fasten, Liber Secundus).

Die Namen der hellsten Sterne sind, Reihenfolge im Uhrzeigersinn (Abb.2)

Algorab (δ Crv) „Der Rabe“

Giennah (γ Crv) „Flügel“

Minkar (ε Crv) „Schnabel“

Alchiba (α Crv) „Zelt“ (unterhalb von Minkar)

Kraz (β Crv) wohl lautmalerisch

Abb. 3: Die Antennengalaxien

Bekannt ist das Galaxienpaar NGC 4038 und NGC 4039, west-südwestlich von Giennah. Die beiden Galaxien stehen in Wechselwirkung miteinander. Die beiden „Antennen“ sind Sternenströme, die durch Gezeitenkräfte entstehen: an den einander abgewandten Seiten der beiden Galaxien wirkt weniger Anziehungskraft als an den einander zugewandten Seiten.
Die Sterne in den Antennen bewegen sich weg von den Galaxien, geradewegs ins All („tidal tails“, Gezeitenschwänze). Ursache dafür ist die Schwerkraft, die jede der beiden Galaxien auf die andere ausübt. In den einander abgewandten Seiten der beiden Galaxien werden die Sterne deutlich weniger von der Schwerkraft der jeweils anderen Galaxie beeinflusst.


Dort, wo die beiden Galaxien zusammenstoßen, prallen Gaswolken aufeinander, verdichten sich und lösen neue Sterngeburten aus. Dort finden sich bereits viele
neu entstandene Sterne.

Zur Beobachtung dieses Galaxienpaares benötigt man mindestens ein Teleskop mit 6 Zoll Durchmesser und 100facher Vergrößerung. Die volle Pracht dieses Paares zeigt sich aber nur in Photographien (Abb. 3, Bild von Otmar Nickel).


Abb. 4: Das "Star-Gate"
Abb. 5: Der "weiße Hai"

Im Sternbild findet man ferner eine zufällige Anordnung von Sternen, einen so genannten Asterismus.

Hübsch ist eine Ansammlung, das Sternendreieck südwestlich der Sombrero-Galaxie M 104, die benannt ist nach Eric Canali, einem Mitglied der South Hill Backyard Astronomers in Pittsburgh. Dieses Dreieck von Sternen mit einem Doppelstern im Dreiecksmittelpunkt (Abb. Nr.4) heißt auch „Star-Gate“, wie die Fernsehserie und nicht zu verwechseln mit „Star Wars“.





Wenn wir gerade bei Asterismen sind: in unmittelbarer Nähe des „Star-Gates“ findet sich der „Weiße Hai“ (siehe Abb. Nr.5). Mit ein wenig Phantasie kann man einen Hai erkennen, der ein aufgerissenes Maul zeigt.


Quellen:

Bilder:  Abb.1, 2, 4 und 5 aus Stellarium, Bild 3: Galerie der AAG, Bildautor O. Nickel

Geschichte:  web-site der Astronomie-AG des Hochwaldgymnasium Wadern, www.hwg-astro.de/).

Antennen-Galaxie: Sterne und Weltraum 3/2005, www.sternhimmel.net/objekte/objekte-im-fruehling/

Asterismen: „Star-Gate“:  http://shbastronomers.blogspot.de/p/erics-page.html, „Weißer Hai":  www.deep-sky.co.uk/asterisms.htm

Eine Fülle von weiteren Asterismen: deepsky.waarnemen.com/asterismen/Asterismenlijst_VER4.2.pdf

bzw. das Buch "3600 celestial asterisms for amateur astronomers", Martin P. Nicholson, 2014

Und eine  Auswahl im Beobachter-Atlas für Kurzentschlossene: derbuntepiet.jimdo.com/projekt-bafk/