Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter November 2016 - Sternkonstellationen: Asterismen

Asterismus

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Sternkonstellationen: Asterismen

von Dr. Sascha Wisser

Ein Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel offenbart eine Vielzahl von Konstellationen und Figuren. Fast jeder kennt die bekannten Sternbilder und/oder Tierkreiszeichen wie Fische, Wassermann, Waage oder Jungfrau. Natürlich finden sich keine Fische oder Jungfrauen am Himmel – es handelt sich um Phantasiegebilde, die vielfach schon seit Jahrtausenden tradiert werden. Man denke an das wohl schönste Sternbild in unseren Breiten: den Himmelsjäger Orion mit seinem roten „Schulterstern“ Beteigeuze.

Es existieren aber zahlreiche auffällige Sternkonstellationen, die nicht als eigenes Sternbild gelten. Diese speziellen Sternkonstellationen werden in der Astronomie als Asterismen (Singular: Asterismus) bezeichnet. Mit Verbindungslinien verknüpft, ergeben sie ein auffälliges Bild oder Muster und tragen den Namen eines Gegenstandes oder einer Figur. Ein Asterismus ist Teil eines oder mehrerer „offizieller“ Sternbilder im eigentlichen Sinne. Auch historische Sternbilder wie das „Schiff Argo“, werden heute als Asterismen bezeichnet; ebenso einige Konstellationen, die noch landläufig verwendet werden: Beispiele sind der Große Wagen, ein Teil des Sternbildes Großer Bär (UMa), das Sommerdreieck oder das Wintersechseck.

Der berühmte „Kleiderbügelhaufen“, Katalogbezeichnung Collinder 399 bzw. Cr399, ist ebenfalls ein solcher Asterismus. Die Anordnung der ca. 10 Sterne der 5. bis 7. Größenklasse erinnert stark an einen Kleiderbügel (siehe Foto) und hat eine Ausdehnung von ca. 1 Grad. Es handelt sich um keinen echten Sternhaufen, sondern um zufällig voreinander projizierte Sterne. Der Kleiderbügelhaufen befindet sich im Sternbild Füchschen (Vul) und ist durch seine Nähe zum Sternbild Pfeil (Sge) leicht aufzufinden. Es gibt kaum ein eindrücklicheres Fernglasobjekt am Sommerhimmel. Nach Einbruch der Dunkelheit ist Cr399 auch im Dezember noch ausreichend hoch im Südwesten zu finden.

 

Bildnachweis:

www.aritearu.com/pic/Star_Cr399pic.jpg

 

Quellen:

Deep Sky Reiseführer, 5. Auflage, Oculum-Verlag

Wikipedia.de

 


Das Sternbild Einhorn (Mon)

von Jörg Schuster

Das Einhorn ( griechisch Monoceros ) ist ein relativ unscheinbares Sternbild östlich des markanten Orion und nördlich des hellen Sterns Sirius im Großen Hund. Es enthält lediglich zwei Sterne, die heller als die 4. Größenklasse sind. Durch das Einhorn zieht sich das Band der Milchstraße, daher enthält es eine Reihe von nebligen Objekten, wie den offenen Sternhaufen M50 und den Rosettennebel. Das Einhorn gehört nicht zu den klassischen 48 Sternbildern der Antike. Es wird dem niederländischen Kartografen Petrus Plancius zugeschrieben, der 1612 einen Himmelsglobus erstellte, auf dem er acht neue Sternbilder abbildete, darunter Monoceros Unicornis. Jacob Bartsch nahm es 1624 in sein Planisphaerium Stellaris als Unicornus in seine Sternkarten auf und schrieb ihm ein christliches Motiv zu: Das Einhorn wird in der lateinischen Bibel (Vulgata) mehrmals erwähnt ( Psalmi iuxta LXX 21:22, 28:6, 91:11; Isaias 34:7 ); moderne Bibelübersetzungen sprechen hier jedoch von Büffeln. Plancius selbst hinterließ seine Gründe, diese Sternbilder einzuführen, nicht.
Im Bestiaire Divin de Guillaume aus dem 13. Jahrhundert steht, dass das Einhorn ruhig liegt und eingefangen werden kann, wenn eine Jungfrau seine Jagdgründe betritt. Das Einhorn soll Jesus Christus darstellen und sein Horn die Göttliche Wahrheit.
Heinrich Wilhelm Olbers und Ludwig Ideler wiesen allerdings darauf hin, dass die Konstellation bereits vor 1564 beschrieben wurde. Nach Joseph Scaliger soll es auf einem antiken persischen Himmelsglobus abgebildet sein. 
Die hellsten Sterne des Einhorns sind:

α Monocerotis  ist ein 144 Lichtjahre entfernter, orange leuchtender Stern der Spektralklasse K0 III. β Monocerotis ist ein Mehrfachsternsystem in 691 Lichtjahren Entfernung. Dabei umkreisen drei Sterne der Spektralklassen B3 ein gemeinsames Zentrum. Da die Sterne in relativ weitem Abstand auseinander stehen, kann man sie bereits mit einem kleinen Teleskop beobachten. Wilhelm Herschel entdeckte das System 1781 und beschrieb es als einen der schönsten Anblicke am Himmel.
ε  Monocerotis ist ein 128 Lichtjahre entferntes Doppelsternsystem. Die beiden Komponenten gehören den Spektralklassen A5 und F5 an. Das System kann ebenfalls mit einem kleinen Teleskop beobachtet werden.

Es befinden sich zahlreiche Deep Sky Objekte im Einhorn:Messier 50 ( auch als NGC 2323 bezeichnet ) ist ein +5,9 mag heller offener Sternhaufen mit einer Winkelausdehnung von 16'.  
Der Rosettennebel ist ein diffuser Emissionsnebel mit einem offenen Sternhaufen im Sternbild Einhorn. Der Nebel hat eine Größe von 80.0' × 60.0' und eine scheinbare Helligkeit von +6,00 mag. 
NGC 2264 ist ein 3.000 Lichtjahre entfernter Sternhaufen. Aufgrund seiner dreieckigen, spitzen Anordnung wird er auch „Weihnachtsbaumsternhaufen“ genannt. Seine Sterne werden von einem Gasnebel umgeben, in dem sich dunkle Wolken aus Staub und Gas befinden. Einer der Dunkelwolken ist der wegen seiner Form so genannte Konusnebel. NGC 2301 ist 2.500 Lichtjahre entfernt. Um den Sternhaufen aufzulösen, benötigt man ein Teleskop. NGC 2324 ist ein Sternhaufen in 15.000 Lichtjahre Entfernung. In größeren Teleskopen wird eine Vielzahl von Sternen sichtbar.

  

Quellen:

Bilder:  Stellarium