Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Januar 2017 - Die Paul-Baumann-Sternwarte

Link zum Mailnewsletter

Himmelsbeobachtung in der Paul-Baumann-Sternwarte

von Peter Fischer und Dr. Sascha Wisser 

„Die Tatsache, dass man etwas über den Himmel weiß, ändert an seinem Zauber nichts.“ (H. Lesch). 

Seit Jahrtausenden sind die Menschen fasziniert von der Beobachtung der Sterne und Planeten. Leider hat die zunehmende Beleuchtung durch allgegenwärtige Lichtquellen dazu geführt, dass die Beobachtung von Himmelskörpern in städtischen Gebieten immer schwieriger wird. Daher wurde die aktuelle Sternwarte der AAG Mainz e.V. im Jahre 1984 in Klein-Winternheim - außerhalb des Mainzer Stadtzentrums - errichtet. Die Bezeichnung der Sternwarte geht auf den Mainzer Amateurastronomen Paul Baumann zurück, aus dessen Freundeskreis sich 1961 die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e.V. gründete. Die Arbeitsgemeinschaft bietet seit Jahrzehnten öffentliche Beobachtungsabende an, die von vielen Besuchern genutzt werden. Darüber hinaus finden in den Sommermonaten Sonnenbeobachtungen statt. 

Welche Himmelsobjekte können in der PBS beobachtet werden ? 

  • Sonne (mit Sonnenflecken und Protuberanzen)
  • Mond und Planeten
  • Doppelsterne
  • Deep-Sky-Objekte (Sternhaufen, Planetarische Nebel, Galaxien)

Neben der Beobachtung mit den Teleskopen erläutern wir unseren Besuchern Sternbilder und besondere Sternkonstellationen (z.B. Sommerdreieck, Wintersechseck). 

Besuchen Sie uns! Wir freuen uns darauf, Ihnen ein faszinierendes Erlebnis von weit entfernten Objekten zu ermöglichen.

Ausstattung der Sternwarte in Klein-Winternheim: 

  • 12“ Meade SC Teleskop
  • H-Alpha-Teleskop (LUNT LS60THA)
  • 5“ ED-Refraktor (Triplett)
  • Vixen 80mm Refraktor
  • Vixen 25x100 Großfernglas mit Stativ 

Die nächsten Beobachtungstermine: 

  • Freitag, den 27.01.2017 (18:00 h)
  • Freitag, den 17.02.2017 (19:00 h)
  • Samstag, den 04.03.2017 (19:00 h)

Bei besonderen astronomischen Ereignissen (z.B. Sonnenfinsternisse, Kometensichtbarkeiten) bieten wir nach Möglichkeit zusätzliche Beobachtungstermine an. Alle Termine und Hinweise zur Anreise finden sich auf der Homepage der AAG Mainz oder über diesen Link

Die Teilnahme an den Beobachtungsterminen ist kostenlos - eine Anmeldung ist erst bei Gruppen ab 10 Personen erforderlich.

 


Das Sternbild Jagdhunde (CVn)

von Jörg Schuster

Die Jagdhunde, in der Fachsprache Canes Venatici genannt, sind ein Sternbild nördlich des Himmelsäquators. Die Jagdhunde sind ein wenig auffälliges Sternbild unterhalb der Deichsel des Großen Wagens. Sie werden durch die Sterne α (Cor Caroli) und β (Canum Venaticorum) gebildet. Cor Caroli ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 2,90m auffallend hell. In den Jagdhunden hat Charles Messier 4 Galaxien und ein Sternhaufen entdeckt, den er M3 nannte.

Die Jagdhunde waren in der Antike kein eigenes Sternbild, sondern wurden dem Großen Bären zugerechnet. Auf alten Abbildungen werden die Sterne α und β als die Jagdhunde des Bärenhüters dargestellt. Als eigenständiges Sternbild wurden die Jagdhunde erst ab 1690 durch den Himmelsatlas von Johannes Hevelius eingeführt.

Im Teleskop erscheint α Canum Venaticorum als Doppelstern. In 19,4 Bogensekunden Abstand wird ein 5,61m heller Stern sichtbar. In den Jagdhunden befindet sich eine Reihe von interessanten nebligen Objekten. Einen Kugelsternhaufen und vier Galaxien nahm der französische Astronom und Kometenjäger Charles Messier in seinen Katalog nebliger Objekte auf (Messierkatalog).

M 3 ist ein Kugelsternhaufen in etwa 30.000 Lichtjahren Entfernung, der aus mehr als 100.00 Sternen besteht. Im Fernglas erscheint er als runder nebliger Fleck. Der Sternhaufen ist ziemlich kompakt und kann erst in einem größeren Teleskop in Einzelsterne aufgelöst werden

Unterhalb des ersten Deichselsternes des Großen Bären findet man M51, eine Spiralgalaxie in etwa 30 Mio. Lichtjahren Entfernung, die auch den Namen Whirlpool-Galaxie oder Strudel-Galaxie trägt. Der Name rührt daher, dass man in größeren Teleskopen oder auf langbelichteten Fotografien wunderbare Spiralstrukturen erkennen kann, die an einen Strudel erinnern. In einem Fernglas oder kleineren Teleskop sind die Strukturen allerdings nicht erkennbar; die Galaxie erscheint nur als nebliger Fleck. Unmittelbar in der Umgebung von M 51 findet man NGC 5195, eine kleinere Begleitgalaxie (siehe nebenstehende Abbildung).

M 63 ist eine Spiralgalaxie in 30 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im Fernglas oder mittlerem Teleskop sind keine Spiralstrukturen erkennbar.

M 94 ist eine Spiralgalaxie in 20 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im kleineren Teleskop erscheint sie als runder Fleck. Im größeren Teleskop ist ein sehr helles Zentrum sichtbar.

M 106 ist eine Spiralgalaxie in 30 Mio. Lichtjahren Entfernung. Im Fernglas und im kleineren Teleskop erscheint sie als länglicher Fleck. Im größeren Teleskop werden Ansätze von Spiralarmen und Staubwolken erkennbar. M106 wurde übrigens nicht von Charles Messier beobachtet, sondern erst nachträglich in den Katalog aufgenommen.

Die oben genannten Galaxien gehören zu den Galaxiengruppen Canes-Venatici-I-Gruppe und Canes-Venatici-II-Gruppe, die beide nach diesem Sternbild benannt sind.

Quellen:

Sternbild: Torsten Bronger

M51: Dr. Otmar Nickel, AAG Mainz