Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Der Mainzer Meteorit

Bruchstück des Mainzer Meteoriten (Dr. A. Gehler, Göttingen)

von Dr. Otmar Nickel

Im Jahr 1852 wurde in Mainz beim Umpflügen eines Ackers an der "Pariser Chaussee" (Pariser Straße, nahe beim Gautor) ein 1,8 kg schwerer Meteorit gefunden. Heute ist diese Fundstelle schon ein Teil der Innenstadt von Mainz. Vom ursprünglichen Fundgewicht von 1,8 kg sind noch mindestens 835 g erhalten. Das Material des Meteoriten wurde an viele Museen bzw. Institute verteilt.

Bei der Ausstellung "Mainz blickt ins All", die ab Ende April im Mainzer Rathaus gezeigt wird, können kleinere Bruchstücke des Mainzer Meteoriten, die uns als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden, besichtigt werden.

Die größten Stücke befinden sich in:
Kalkutta, Museum of Geological Survey of India (202 g )
New York, American Museum of Natural History (114 g )
Straßburg, Universität (79 g)
Wien, Naturhistorisches Museum (63 g)
Tübingen, Universität (55 g)

Der Gießener Geologieprofessor A. von Klipstein untersuchte damals das Mainzer Becken und erwarb den Meteoriten für seine umfangreiche Fossilien- und Gesteinssammlung. Diese wurde dann 1867 von der englischen Regierung erworben für das im Aufbau befindliche Museum des Geological Survey of India in Kalkutta, das bis heute das größte Stück des Meteoriten besitzt.


Eine erste chemische Untersuchung erfolgte 1857 in einem Labor in Wiesbaden.
Um 1980 wurde der Meteorit auch am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie untersucht: Der Mainzer Meteorit gehört zu den L-Chondriten, mit einem Eisengehalt von 20,8% (L steht für "low iron").
Chondrite bilden mit einem Anteil von etwa 86 Prozent die größte Klasse der Meteoriten. Ihr Name rührt von eingeschlossenen kleinen Silikatkügelchen her, den so genannten Chondren, die in eine feinkörnige Grundmasse eingebettet sind. Die mineralogische Zusammensetzung der Chondrite wird von den Mineralen Olivin, Pyroxen und Plagioklas dominiert. Sie enthalten aber auch (mit wenigen Ausnahmen bei den kohligen Chondriten) stets metallisches Nickeleisen und Eisensulfid (Troilit).
Das Hauptinteresse der Untersuchungen am MPI galt den Edelgas-Gehalten. Aus dem K/Ar-Verhätnis konnte das Alter des Meteoriten zu ca. 4,5 Milliarden Jahren bestimmt werden, d.h. er entstand zusammen mit dem Sonnensystem. Aus den Gehalten an durch kosmische Höhenstrahlung erzeugten Edelgasen konnte das "Bestrahlungsalter" zu für Steinmeteorite ungewöhnlich langen 50 Millionen Jahren abgeschätzt werden, d.h. er muss vor etwa dieser Zeit aus einem größeren Körper herausgelöst worden sein. Diese Messungen deuten des weiteren darauf hin, dass der Meteorit Mainz Teil eines größeren Meteoriden war, der beim Durchgang durch die Erdatmosphäre zerbrach.


Quellen:
F. Seelheim, "Untersuchung eines bei Mainz gefundenen Meteorsteins", Heft 12 der "Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogtum Nassau" (1857) 405
H. Palme et. al., Meteoritics 18 (1987) 370
http://www.astronomie-mainz.de/site/index.php?id=dermainzermeteorit
https://de.wikipedia.org/wiki/Chondrit


Bild: Wikipedia/ Torsten Bronger

Sternbild des Monats: Die Zwillinge (Gemini)

von Jörg Schuster

Die Zwillinge (lat. Gemini) sind ein Sternbild der Ekliptik. Die Zwillinge bilden ein langgezogenes Rechteck. Die auffällig hellen Sterne Castor und Pollux bilden die beiden nordöstlichen Eckpunkte. Durch den östlichen Teil der Zwillinge zieht sich das Band der Milchstraße, daher findet man in diesem Bereich mehrere offene Sternhaufen.
Da die Zwillinge auf der Ekliptik liegen, ziehen Sonne, Mond und die Planeten durch das Sternbild. Die Sonne durchläuft die Zwillinge gegenwärtig vom 21. Juni bis zum 21. Juli.

Die Zwillinge gehören zu den 48 Sternbildern der antiken Astronomie, die bereits von Claudius Ptolemäus beschrieben wurden. Das Sternbild ist der Ursprung des Tierkreiszeichens Zwillinge.

 


In der griechischen Mythologie waren Kastor und Polydeukes (lat. Pollux) unzertrennliche Zwillingsbrüder. Ihre Mutter, Leda, empfing Kastor von ihrem Ehemann, König Tyndareos von Sparta, und Pollux von Zeus, der sich ihr in der Gestalt eines Schwans näherte. Daher war Kastor menschlich und sterblich, Pollux dagegen von göttlicher Herkunft und unsterblich. Die Brüder schlossen sich Iason und den Argonauten bei deren Suche nach dem goldenen Vlies an; bei einem Streit mit ihren Weggefährten, den Zwillingsbrüdern Lynkeus und Idas ging Pollux als einziger Überlebender hervor. Er wandte sich an seinen göttlichen Vater und bat ihn, seine eigene Unsterblichkeit mit Kastor teilen zu dürfen. Fortan verbringen die Brüder ihre Tage abwechselnd im Hades oder auf dem Olymp. Außerdem wurden sie als Sternbild am Himmel verewigt.

Pollux ( β Geminorum ) ist der hellste Stern im Sternbild Zwillinge und Teil des großen Wintersechsecks, das er mit 5 anderen Sternen 1. Größe bildet. Astrophysikalisch gehört Pollux zu den Roten Riesen. Mit etwa 34 Lichtjahren Entfernung ist er der unserem Sonnensystem am nächsten gelegene Vertreter dieser Sternklasse. Pollux hat etwa den achtfachen Radius der Sonne, seine Masse beträgt etwa 1,86 Sonnenmassen. Er hat die 32-fache Sonnenleuchtkraft bei einer Oberflächentemperatur von 4500 Kelvin. Seine rötliche Farbe kontrastiert auffällig zu seinem fast gleich hellen Nachbarstern Castor ( α Geminorum ).
Aus spektroskopischen Messungen seiner Radialgeschwindigkeit wurde geschlossen, dass Pollux von einem Planeten mit 3-facher Jupitermasse ( Pollux b ) in 590 Tagen umkreist wird. Damit ist er von der Erde aus gesehen der hellste Stern, bei dem bisher ein planetarer Begleiter festgestellt wurde.

Castor ist der zweithellste Stern im Sternbild Zwillinge. Obwohl etwas lichtschwächer als sein Nachbarstern Pollux im selben Sternbild, trägt er Bezeichnung α Geminorum.
Er ist seit langem als Doppelstern bekannt, tatsächlich aber ein nur selten auftretendes System von insgesamt 6 Sternen. Es lässt sich erst in einem kleineren Fernrohr in 2 bzw. 3 Sterne trennen; freiäugig erscheint es wie ein weißer Einzelstern 1. Größe ( 1,5 mag ).
Dass Castor, der etwa 51 Lichtjahre von uns entfernt ist, ein so komplexes Mehrfachsternsystem darstellt, ist erst seit einigen Jahrzehnten bekannt. Die 6 Sterne gruppieren sich in 3 Sternpaare, die eng umeinander kreisen, während sie ihren gemeinsamen Schwerpunkt, das Baryzentrum, auf stark elliptischen Bahnen umrunden.
Die drei Sternpaare selbst sind spektroskopische Doppelsterne, d. h. die lassen sich auch im größten Fernrohr nicht trennen, sondern nur anhand periodischer Änderungen in ihrem Spektrum unterscheiden. Auf zwei der Doppelsterne ( also 4 der 6 Sonnen ) entfallen etwa 99,8 Prozent der Gesamtstrahlung.

Diese beiden Hauptkomponenten, kurz als α Gem A und α Gem B bezeichnet, sind 1,9 mag bzw. 2,9 mag hell. Ihre Umlaufzeit beträgt 420 Jahre. Die dritte Komponente, kurz als α Gem C, mit der alternativen Bezeichnung YY Geminorum ist ein bedeckungsveränderlicher Stern, bestehend aus zwei Roten Zwergen. YY Geminorum ist nur 8,07 mag hell und umkreist das Castor-System in einem Abstand von etwa 70" von den Komponenten A und B.

Die drei Hauptsterne können mit dem Teleskop beobachtet werden, wobei die Trennung der näher zusammen stehenden A und B von Jahr zu Jahr leichter wird, da sie momentan von der Erde aus gesehen auseinander streben. Derzeit (2017) ist zur Auflösung ein Fernrohr mit etwa 50 mm Objektivöffnung ausreichend.


M35 (O. Nickel)

Beobachtungs-Objekte:
Das Messierobjekt M 35 ist ein offener Sternhaufen in ca. 3.000 Lichtjahren Entfernung. Er ist bereits mit bloßem Auge als nebliger Fleck erkennbar. Mit einem Prismenfernglas kann er in Einzelsterne aufgelöst werden. Bei höherer Vergrößerung im Teleskop werden immer mehr Einzelsterne (insgesamt etwa 200) sichtbar.

NGC 2129 ist ein offener Sternhaufen in 6.000 Lichtjahren, der allerdings nur wenige Sterne enthält.

NGC 2392 (HST-Aufnahme)

In der Nähe des Sterns δ Geminorum findet man NGC 2392 (auch als Eskimonebel bezeichnet ), einen planetarischen Nebel in 3000 Lichtjahren Entfernung. Er hat eine Ausdehnung von 0,7 Lichtjahren und eine beobachtbare Größe von 0,8' × 0,7'. Er hat eine scheinbare Helligkeit von 9,1 mag und ist somit leicht mit kleineren Teleskopen zu beobachten Der Nebel ist vor etwa 10.000 Jahren entstanden, als der etwa sonnengroße Zentralstern seine äußere Hülle durch eine Eruption abgeworfen hat. Zurück bleibt ein Weißer Zwerg, der von zwei sich unterschiedlich schnell ausdehnenden, konzentrischen Gashüllen umgeben ist. Die Hüllen werden durch die starke Strahlung des heißen Zentralsterns mit einer Oberflächentemperatur von 40.000 Kelvin zum Leuchten angeregt.

Im Teleskop erscheint NGC 2392 als nebliger runder Fleck. Vermutlich aber ist NGC 2392 in Wirklichkeit gar nicht so rund wie er aussieht, sondern bipolar geformt, wobei wir in seine Polachse hineinblicken. Erst auf langbelichteten Fotografien werden Strukturen erkennbar, die an ein Gesicht erinnern, das von einer Fellkapuze eingerahmt wird. Daher erhielt das Objekt den Namen Eskimonebel.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zwillinge_(Sternbild)
NGC 2392: NASA, ESA, Andrew Fruchter (STScI), and the ERO team (STScI + ST-ECF)