Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter August 2017 - Iridium-Flares, Sternbild Vulpecula

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Iridium-Flares

von Dr. Bernhard Schröck

Bestimmt sind Ihnen schon am nächtlichen Himmel sich plötzlich bewegende Lichtpunkte, die für 10 bis 20 Sekunden lang aufleuchten, aufgefallen. Das sind die so genannten Iridium-Flares, Reflexionen des Sonnenlichts an einer der drei Antennen (MMA, Main Mission Antenna mit jeweils 188 cm x 86 cm Fläche) der Iridium-Satelliten (siehe Foto). Das Licht der Sonne wird auf einen Fleck von wenigen Kilometern Durchmesser auf die Erdoberfläche  projiziert.

Viele dieser Flares sind nicht sehr auffällig, manche aber sehr hell. Sie können an Helligkeit die hellsten Sterne oder sogar die Planeten übertreffen, bis zu 50 mal heller als die Maximalhelligkeit der Venus in ihrem „größten Glanz“. Ein Bild und eine Animation eines Flares sehen Sie in unserer Galerie, Rubrik Satelliten und Raumfahrzeuge.

Das Iridium-Satellitensystem hat seinen Namen, wie auch die Betreiber-Gesellschaft Iridium Communications Inc., eine Aktiengesellschaft,  von dem Edelmetall Iridium. Dessen Ordnungszahl im Periodensystem (77), entspricht der geplanten Zahl von 77 Satelliten, aktuell 66, die in einer Höhe von ungefähr 780 km die Erde auf polaren Bahnen (über Nord- und Südpol) umkreisen. An jedem Punkt der Erdoberfläche ist mindestens ein Satellit über dem Horizont. Somit ist eine kontinuierliche und weltumfassende Kommunikation auch mit entlegenen Gebieten möglich.

Ursprünglich wurde das System von Motorola entwickelt. Die Satelliten werden heute von Boeing gesteuert. Neben Sprachtelefonie und Internetzugang dient das System vornehmlich der M2M-Kommunikation (Machine-to-Machine), also dem Datenaustausch zwischen Maschinen untereinander (Fernsteuerung, Fernwartung usw.).

Ferner wird das LRIT (Long Range Identification and Tracking), ein System zur Identifizierung und Verfolgung über große Entfernungen von Seeschiffen durch Iridium-Satelliten zur Verfügung gestellt.

In naher Zukunft wird FANS (Future Air Navigation System) für alle Flugzeuge, die über den 82. Breitengrad hinaus fliegen, Pflicht. Auch dieser Datenaustausch erfolgt über Iridium-Satelliten.

Da ein einzelner Iridium-Flare immer nur in einem eng begrenzten Gebiet zu sehen ist, braucht man genaue Voraussagen. Am besten gehen Sie entweder auf die Seite http://calsky.com oder www.heavens-above.com und geben Ihren Standort ein. Angegeben wird neben Datum und Uhrzeit die Himmelsrichtung, in die Sie blicken müssen, die Höhe über dem Horizont in Grad, die Nummer des Satelliten und die Helligkeit des Flares.

Leider müssen wir in den nächsten Jahren Abschied von den Iridium-Flares nehmen. Ein Teil des Nachfolgesystems, Iridium-NEXT befindet sich schon im All, die nächsten werden im Laufe dieses und nächsten Jahres mit Falcon 9v-1.2-Raketen in den Orbit gebracht. Diese Satelliten produzieren keine Flares mehr. Die jetzigen werden nach und nach abgeschaltet und kontrolliert zum Absturz gebracht.

Gebaut werden die Iridium-NEXT-Satelliten von Thales Alenia Space.


Das Sternbild Vulpecula

von Jörg Schuster

Das Sternbild Fuchs - auch Füchschen oder Füchslein genannt (lat. Vulpecula) - ist ein Sternbild des nördlichen Himmels. Es ist ein unscheinbares Sternbild, das zwischen den markanten Sternbildern Schwan, Delphin und Pfeil zu finden ist. Keines seiner Sterne ist heller als 4. Größenklasse. Allerdings zieht das Band der Milchstraße durch den Fuchs, weshalb man in ihm viele offene Sternhaufen findet. Zwei auch für Amateurastronomen zugängliche und interessante Objekte findet man im Füchschen: Den planetarischen Nebel M 27, auch Hantelnebel genannt, sowie eine Anordnung von Sternen mit der Bezeichnung Collinder 399.

Das Sternbild wurde Ende des 17. Jahrhunderts von dem Danziger Astronomen Johannes Hevelius eingeführt. 1967 entdeckten Antony Hewish und Jocelyn Bell von der Universität Cambridge im Fuchs den ersten Pulsar (PSR 1919+21). Im August 2010 wurde durch das Projekt Einstein@home ein weiterer, bisher unentdeckter Pulsar ausgemacht: PSR J2007+2722, ein Neutronenstern mit einer Rotationsrate von 41 Umdrehungen pro Sekunde.

Der hellste Stern im Sternbild Fuchs trägt den Namen Anser (Alpha Vulpeculae) der an die Gans erinnert, die der Fuchs „geholt“ hat. Es handelt sich bei ihm um einen Stern der Spektralklasse M0, einen Roten Riesen, der etwa 300 Lichtjahre von der Sonne entfernt ist.

Der Sternhafen namens Collinder 399, welcher besser unter dem Namen „Kleiderbügel-Haufen“ bekannt ist eine rein zufällige Anordnung (Asterismus) von Sternen der 5. bis 7. Größenklasse. Der geometrische Eindruck der helleren Einzelsterne ist der Grund für den Eigennamen Kleiderbügel oder Kleiderbügelhaufen. Mit bloßem Auge ist ein diffuser Fleck zu erkennen, mit dem Fernglas oder kleinen Teleskop erkennt man die charakteristische Form.

M27, der Hantelnebel, ist einer der bekanntesten planetarischen Nebel (siehe Abbildung unten). Er wurde 1764 von Charles Messier als erstes Objekt seiner Art entdeckt. Es handelt sich um die abgestoßene Gashülle eines Sterns. Der Nebel kann bereits mit einem Fernglas als schwach leuchtende Scheibe mit einem Durchmesser von ca. 6 Bogenminuten beobachtet werden. Im Teleskop werden hellere Strukturen sichtbar, die an eine Hantel erinnern. Der Zentralstern, ein Weißer Zwerg, ist lediglich 13,4 mag. hell und kann daher nur mit größeren Teleskopen beobachtet werden. Der offene Sternhaufen NGC 6940 enthält etwa 100 Sterne bis zur 9. Größenklasse.

Der Fuchs enthält darüber hinaus einige lichtschwache Galaxien und weitere planetarische Nebel, die in den New General Catalogue aufgenommen wurden. Allerdings sind diese Objekte schwächer als die 13. Größenklasse und nur in großen Teleskopen, oder auf lang belichteten Fotografien sichtbar.

Das Sternbild Vulpecula ist aktuell hoch im Süden zu finden (23:00 h MESZ).

Quelle

Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Fuchs_(Sternbild)


Bildnachweis

M27: J. Förster (AAG Mainz)

Sternkarte: Wikipedia/T. Bronger