Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Newsletter Februar 2018 - Zwerggalaxien, Sternbild ..

Abb. 1: Draco Zwerggalaxie (O. Nickel)
Abb. 2: Leo II (O. Nickel)
Abb. 3: Andromeda I (O. Nickel)

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Zwerggalaxien

von Dr. Otmar Nickel

Die meisten Zwerggalaxien sind (wegen ihrer geringen Flächenhelligkeit) mit Amateurteleskopen nur unter extrem dunklem Himmel zu sehen und auch mit digitaler Kamera nur schwierig abzubilden, man sieht erst nach längerer Belichtungszeit (30-40 Min) ein erstes verrauschtes Bild. Der aufgehellte Himmel am Stadtrand von Mainz erschwert nochmals die Abbildung, umso mehr freut man sich über ein Ergebnis. Das ist ein Grund, warum ich versuche, möglichst viele solche Objekte mit meinem Teleskop in Mainz-Ebersheim zu fotografieren.

Die Draco-Zwerggalaxie (Abb. 1) ist eine elliptische Zwerggalaxie im Sternbild Drache (lat. draco) und ist ein Begleiter der Milchstraße in nur 280.000 Lichtjahren Entfernung. Die Anzahl der Sterne in der Draco-Zwerggalaxie wird auf etwa drei Millionen geschätzt. Sie wurde 1954 von A. G. Wilson am Lowell-Observatorium entdeckt.

Leo II (Abb. 2) ist ein Begleiter unserer Milchstraße, in einer Entfernung von 710.000 Lichtjahren. Es handelt sich um eine „sphäroide“ Zwerggalaxie, die in ihrem Aussehen sehr an einen Kugelsternhaufen erinnert. Die Sterndichte in dieser Galaxie ist jedoch wesentlich geringer, ihr Durchmesser wesentlich größer; Leo II  besitzt einen Durchmesser von rund 2000 Lichtjahren mit mindestens 10 Mio. Sternen, der massereichste Kugelsternhaufen der Milchstraße, Omega Centauri, hat dagegen einen Durchmesser von nur 150 Lichtjahren bei annähernd gleicher Anzahl an Sternen.

Andromeda I (Abb. 3) ist ein Satellit der großen Andromeda-Galaxie (M31) und wurde 1970 von Sidney van den Bergh mit einem 1,2m Teleskop auf Mount Palomar entdeckt. Es handelt sich ebenfalls um eine kugelförmige Zwerggalaxie, die 2,4 Mio. Lichtjahre von uns entfernt ist. Auf dem Bild (rechts neben der Galaxie) sieht man auch die Strichspur eines Asteroiden (2003AK39).

Das Verhältnis Masse/Leuchtkraft ist bei diesem Galaxientyp wesentlich größer als bei anderen Typen. Man vermutet daher einen hohen Anteil an dunkler Materie, der diese Masse erklären würde. Allerdings ist die Berechnung der Gesamtmasse dieser Galaxien schwierig, sodass an diesen Objekten noch intensive Forschung erforderlich ist.

In letzter Zeit wurde auch die räumliche Verteilung dieser "Satellitengalaxien" genauer untersucht. Nach dem kosmologischen Standardmodell, das dunkle Materie voraussetzt, müsste die Verteilung gleichmäßig in allen Raumrichtungen sein. Jedoch sind sowohl die Satellitengalaxien der Milchstraße als auch der Andromedagalaxie (M31) und von Centaurus A (NGC 5128) in scheibenförmigen Ebenen angeordnet, jeweils senkrecht zur Scheibenebene der Muttergalaxie. Es gibt also noch viele offene Fragen über die dunkle Materie.

Zu den Aufnahmen:
Die Draco Zwerggalaxie wurde am 9.4. und 6.5.2016 insgesamt 100 Min. belichtet
Leo II wurde am 1.5.2016 mit einer Belichtungszeit von 65 Min. aufgenommen
Alle Aufnahmen mit 25cm Newton-Teleskop und CCD-Kamera ATIK460exm in Mainz-Ebersheim.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Draco-Zwerggalaxie
https://de.wikipedia.org/wiki/Leo-II-Zwerggalaxie
http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22373-2018-02-02.html
P. Kroupa, M. Pawlowski: Das Kosmologische Standardmodell. Spektrum der Wissenschaft, August 2010


Das Sternbild Kassiopeia

von Jörg Schuster

Die Kassiopeia (lat. Cassiopeia) ist ein auffälliges Sternbild des Nordhimmels. Sie gehört zu den 48 Sternbildern der antike, die bereits von Ptolemäus erwähnt wurden. Die fünf Hauptsterne der Kassiopeia bilden ein markantes W beziehungsweise M am Himmel, daher wird sie auch als Himmels-W oder Himmels-M bezeichnet. Die Spitze in der Mitte des W zeigt ungefähr auf den Polarstern.

Kassiopeia gehört zu den nördlichen zirkumpolaren Sternbildern, die in unseren Breiten das ganze Jahr über zu sehen ist. Das Sternbild Kassiopeia liegt zwischen den Sternbildern Cepheus, Eidechse, Andromeda, Perseus und Giraffe.

In der Nähe des Sterns β Cassiopeiae (Caph), dem östlichsten Stern, verläuft gegenwärtig  der Kolur mit 0° Rektaszension - also der „Nullmeridian“ des Himmels.

Die Region der Kassiopeia ist sehr sternreich, da sich die Milchstraße durch das Sternbild zieht. Viele offene Sternhaufen können hier beobachtet werden.

Im Jahr 1572 konnte Tycho Brahe in der Nähe von K-Cassiopeia (kappa) die berühmte Supernova SN1572 beobachten. Die Überreste einer anderen Supernova, zu der es um 1660 kam, die aber damals unbemerkt wurde, bildet heute die stärkste Radioquelle am Himmel.

Nach der griechischen Mythologie war Kassiopeia die Gemahlin des äthiopischen Königs Kepheus und Mutter von  Andromeda. Mit der Behauptung, noch schöner als die Nereiden, die Töchter des Meeresgottes Nereus  zu sein, zog Kassiopeia den Zorn der Götter auf sich. Die Nereiden wandten sich bei dieser Beleidigung an Poseidon, der daraufhin ein schreckliches Meeresungeheuer aussandte, das die Gestade des Landes verwüstete. Das Land konnte einem Orakelspruch nach nur von dem Fluch befreit werden, wenn Andromeda, das einzige Kind des Königspaares, dem Ungeheuer geopfert würde. Andromeda wurde schließlich an einen Felsen gekettet und erwartete ihr grausames Schicksal. Im letzten Augenblick eilte der Held Perseus herbei und tötete das Untier. Zum Lohn erhielt er Andromeda zur Frau.

Alle Gestalten der Erzählung wurden am Himmel verewigt, das Meeresungeheuer in Form des Sternbildes Walfisch.

Die Kassiopeia beherbergt viele offen Sternhaufen wie M52, M103, NGC 457 der auch unter dem Namen Eulenhaufen bekannt ist. Auch Emissionsnebel wie der berühmte NGC 281 können im Sternbild das ganze Jahr beobachtet werden.

Auch Mehrfachsternsysteme sind in dem Sternbild beherbergt. Achird ist der Eigenname des Sterns η Cassiopeiae im Sternbild Kassiopeia. Es ist ein Doppelstern-System in 19,3 Lichtjahren Entfernung, bestehend aus einem +3,5m hellen Stern der Spektralklasse G0 (gelb) und einem +7,5m hellen Stern der Spektralklasse K7V (orange). Um das System in Einzelsterne aufzulösen, benötigt man ein Teleskop von mindestens 5 Zentimeter Objektivdurchmesser. Der Farbkontrast zwischen den beiden Komponenten macht Achird zu einem reizvollen Beobachtungsobjekt.

Das System ι Cas ist 150 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei weißlich-blauen Sternen der Spektralklassen A4 und F5. η und ι Cas sind einfach im Teleskop zu trennen.

Das System φ Cas ist mit 10.000 Lichtjahren wesentlich weiter von der Sonne entfernt. Seine Sterne gehören den Spektralklassen F0 und B5 an. Von der Erde aus gesehen, sind die beiden Komponenten mit 134 Bogensekunden weit voneinander entfernt und können daher schon mit einem Prismenfernglas in Einzelsterne aufgelöst werden.

λ Cas ist 300 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei Sternen der Spektralklassen B8 und B9. Von der Erde aus gesehen weisen die Komponenten einen Abstand von nur 0,6 Bogensekunden auf. Um sie in Einzelsterne zu trennen, benötigt man ein größeres Teleskop.

Wie man sieht, lohnt es sich das ganze Jahr, nach Kassiopeia Ausschau zu halten.


Quellen: Stellarium, Kosmos Himmelsführer, Wikipedia