Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz e. V.

Mainz aus dem All

Der Meteorit "Mainz / Mayence"

Auf dem 13. Rhein-Main-Astrotreff in Geisenheim wurde der (nicht aus Mainz stammende) Bernd Pfeiffer auf den Meteoriten "Mainz" aufmerksam gemacht (Kann ein Leser nähere Angaben machen?). Das Naturhistorische Museum Mainz soll eine Probe besitzen, während sich der größte Teil in Kalkutta befinden soll (Auch hierzu wären Informationen aus der Leserschaft erwünscht!).

Der obige Aufruf führte zu einem regen Gedankenaustausch, wie man ihn sich in einem interaktiven Medium wie dem WWW immer wünschte.

Die "Fundstücke" sind auf einer getrennten Seite zusammengestellt, die viele zusätzliche interessante Informationen enthält.

Im Jahre 1852 wurde beim Umpflügen eines Ackers an der Pariser Chaussee (nahe beim Gautor jenseits der damaligen Festungsgräben) ein 1,8 kg schwerer Meteorit gefunden (nähere Angaben, auch zum weiteren Verbleib, finden sich bei H. Palme et al., "Meteorite - Urmaterie des Sonnensystems", p. 42 ff.). Eine erste chemische Untersuchung erfolgte 1857 in Wiesbaden (siehe F. Seelheim, "Untersuchung eines bei Mainz gefundenen Meteorsteins", Heft 12 der "Jahrbücher des Vereins für Naturkunde im Herzogtum Nassau" (1857) 405).
Der Gießener Geologieprofessor A. von Klipstein untersuchte damals das Mainzer Becken und erwarb den Meteoriten für seine umfangreiche Fossilien- und Gesteinssammlung. Diese wurde dann 1867 von der englischen Regierung erworben für das im Aufbau befindliche Museum des Geological Survey of India in Kalkutta, das bis heute mit 202 g das größte Stück des über viele Museen verteilten Meteoriten besitzt (für eine aktuelle Übersicht siehe "Fundstücke").
Um 1980 wurde der Meteorit auch am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie untersucht (siehe H. Palme et al., Meteoritics 18 (1983) 370 und H. Palme et al., "Meteorite - Urmaterie des Sonnensystems", p. 42 ff.):
Leider ist der Meteorit von Mainz kein besonderer Meteorit. Er gehört zu den L-Chondriten, dem häufigsten Typ von Meteoriten. Zudem ist er ein Fund (kein beobachteter Fall), und er ist durch ein langes Liegen im Erdreich schon stark verwittert. Das Hauptinteresse dieser Untersuchungen galt den Edelgas-Gehalten. Aus dem K/Ar-Verhätnis konnte das Alter des Meteoriten zu ca. 4,5 Milliarden Jahren bestimmt werden, d.h. er entstand zusammen mit dem Sonnensystem. Aus den Gehalten an durch kosmische Höhenstrahlung erzeugten Edelgasen konnte das "Bestrahlungsalter" zu für Steinmeteorite ungewöhnlich langen 50 Millionen Jahren abgeschätzt werden, d.h. er muss vor etwa dieser Zeit aus einem größeren Körper herausgelöst worden sein. Diese Messungen deuten des weiteren darauf hin, dass der Meteorit Mainz Teil eines größeren Meteoriden war, der beim Durchgang durch die Erdatmosphäre zerbrach.

Weitere Teile können durchaus noch im Mainzer Boden der Entdeckung harren!